Saturday, June 18, 2016

PRIDE AND PREJUDICE AND ZOMBIES (Großbritannien/USA, 2016)




Ein feiner Film. Einer, mit dem Produzenten und Studio ein Risiko eingegangen sind, da er sich Genre-mäßig zwischen die Stühle setzt ... merkt man immer daran, wenn im Feuilleton die Phrasen "zu blutig für Oma" und "zu kitschig für Nerds" gegeneinander ausgespielt werden. So ein Experiment weiß nur ein verhältnismäßig kleiner Prozentsatz der Kinogänger zu schätzen. Aber warum nicht beides? Ist auf dem Anime-Sektor längst Gang und Gäbe und daraus sind schon viele spannende Transitionen hervorgetreten - Fans werden zur dankbareren Zielgruppe gehören, ansonsten noch die Steampunk-Geeks, die auch ohne Dampf und Zahnräder an Garderobe und Zeitgefühl Gefallen finden dürften.
Die Inszenierung schlägt in dieselbe Kerbe wie ABRAHAM LINCOLN: VAMPIRE HUNTER, funktioniert hier aber besser, weil 1) ein eng abgesteckter Handlungszeitraum existiert, und 2) kein Holocaust weichgespült werden muß, dessen wahrhaftige Schilderung geneigt ist, den durchschnittlichen Trump-Wähler zu verschrecken. Die Geschichte wird verhältnismäßig ernst vorgetragen, laute Lacher und Slapstick sucht man vergebens, der Humor ist subtil und findet zwischen den Zeilen statt - wenn beispielsweise Zeilen aus Jane Austens Original in "zombifiziertem" Kontext 1:1 rezitiert werden, entbehrt das nicht einer gewissen Komik.
Das Gemetzel ist für ein PG-13 erstaunlich graphisch geraten, hier hatte jemand seinen Spaß, die Martial Arts-Gören adrett in Szene zu setzen. Das Gros der Laufzeit wird jedoch von höfischem Drama und sie-liebt-ihn-sie-liebt-ihn-nicht-Geplänkel, allzeit untermalt durch wohltemperierte Kammermusik, eingenommen - nur eben vorm Hintergrund einer Untoten-Apokalypse; das ist nicht minder spannend und vergnüglich (vor allem wenn abrupte tonale Veränderungen stattfinden und sich Erzählebenen überkreuzen), aber, um eventuell "überhypten" Erwartungen einen Dämpfer zu verpassen: man bekommt hier immer noch ein "Stolz und Vorurteil" MIT Zombies - nicht umgekehrt. Auch ist Regisseur Burr Steers weniger an engen Korsetts und berstenden Dekolletés interessiert, als an Personen, die dadrinnen stecken; mitunter mit feministischer Agenda: weibliche Charaktere sind stark und komplex gezeichnet.
Leider lässt die beschränkte Laufzeit einen lediglich auf Protagonisten fixierten Blickwinkel zu - das wird immer dann problematisch, wenn sich deren Geschicke mit Schicksalen von Nebenfiguren verknoten - ein paar mehr Szenen, in denen der ein- oder andere Charakter näher beleuchtet, oder in Erinnerung gerufen wird, wären nett gewesen.
Wer aber Augen und Ohren offen hält, den Film gleich zu Beginn als symbiotisches Konstrukt begreift, bei dem nicht der Drama-Part den Weg zur nächsten Action-Szene ebnet, sondern als gleichwertiges Pendant verstanden werden will, sollte keine Schwierigkeiten haben, den romantischen Verwicklungen zu folgen und Lily James' charismatischem Schauspiel zu verfallen.

© Alex

Tuesday, January 19, 2016

COLOR OF NIGHT (USA, 2015)




Besser bekannt als der Film, in dem Bruce seinen Willie an die frische Luft lässt - COLOR OF NIGHT fiel bei Kritikern und Publikum durch, was selbstverständlich nichts über seinen Unterhaltungswert aussagt. Ein bißchen darf man sich wundern, was John McClane geritten haben muß (abgesehen von Jane March), als er seine Signatur unter den Vertrag setzte: in den Dialogen schlägt der Beklopptheitspegel hart in den roten Bereich aus, die schwülen Sexszenen wurden mit einem kitschigen Pathos inszeniert, der eher zum Lachen als zum Schwitzen reizt. Trotzdem kommt unterm Strich ein nicht unspannender, leicht verdaulicher Psychothriller dabei herum, der seinen hanebüchenen Plot mit schönen Popos und Noir-Elementen aufzuwerten sucht, und mir der ein- oder anderen Wendung überrascht.
"Finger weg" gilt hier nur für die deutsche Lokalisation, die sich qualitativ wenig von synchronisiertem Porno-Gestöhne abhebt.

© Alex

Saturday, January 16, 2016

LUCY (Frankreich/USA, 2014)




Angenehm gegen den Strich gebürstete Popcorn-Philosophie, die mit entwaffnender Unbekümmertheit Genre-Plattitüden existenzialistischen Kernfragen gegenüberstellt, dabei selbstverständlich eine Antwort schuldig bleibt, es aber in ausreichendem Maße versteht, Netzhaut und Synapsen zu kitzeln, und in mindestens einer Szene Zuschauer-Erwartungen augenzwinkernd unterwandert.
Zum Arthouse wird LUCY deswegen nicht, mehr so 'ne Art TRANSPORTER meets 2001 mit 'ner 0,5-Pepsi und Fritten (zum hier essen), und von Luc Besson, dem Meister der affirmativen intellektuellen Unterforderung derart flott und eingängig verpackt, daß auch Morgan Freemans bekloppte "wissenschaftlichen" Ausführungen das Vergnügen nicht zu schmälern vermögen.
Irgendwie total faszinierendes Teil, welches mich auch beim zweiten Mal Gucken noch sprachlos zurücklässt.

© Alex

Friday, January 15, 2016

HARUKA UND DER ZAUBERSPIEGEL (Japan, 2009)




[...]
Glasklar und gestochen scharf agieren digitale Protagonisten vor teils gemalten, teils CGI-generierter Szenerie, wirken nicht selten wie unbeholfen animierte Puppen, die in seltsam toten, starren Kulissen umherstaksen. Verkehrte Welt: in BLOOD: THE LAST VAMPIRE, einer technisch beeindruckenden Tech-Demo aus dem Hause Production I.G. (im Jahre 2000) waren es noch gezeichnete 2D-Charaktere, die in gerenderten Umgebungen auftraten und einen wesentlich homogeneren Eindruck hinterließen. Und während bei Pixar, Dreamworks und Co. der Hintergrund ebenso kreativ zum Leben erwacht wie der Vordergrund, dem aufmerksamen Betrachter eine Fülle an Gags und sekundärem Entertainment offenbart, das beim ersten Mal nur aus den Augenwinkeln wahrgenommen wird, dennoch anteilig dazu beiträgt, daß die Welt aus Nullen und Einsen zum Leben erwacht, existiert bei HARUKA ein einziger, schnurgerader Pfad zum Ziel, rechts und links Flora und Zivilisation im gleich scharfen HD bis in die hintersten Winkel ebenmäßig ausgeleuchtet. Detailreich gezeichnet, nicht lieblos, aber leblos und deshalb langweilig. Wie in einem Computerspiel. Einem langweiligen. [...]


© Alex

Thursday, January 14, 2016

THE FINAL GIRLS (USA, 2015)




Während einer Kinovorführung findet sich ein Trupp junger Leute unverhofft zwischen lebensechten Kulissen eines Retro-Horrorfilms wieder. Und weil der Tod hier kein Special Effect ist, müssen sie sich alsbald der Frage stellen, welche ehernen Gesetze des Genres befolgt, welche gebrochen werden müssen, um das Massaker in "Camp Bloodbath" zu überleben ...
Mit viel Herz und parodistischem Gespür inszenierte Meta-Hommage an den Slasher-Film der 80er Jahre, und für einen Film, in dem es primär ums Töten und Vorführen einsilbiger Rollenklischees geht, kommt THE FINAL GIRLS mit überraschend humanistischen Ansatz daher: eines der Mädchen (Taissa Farmiga) trifft auf ihre verstorbene Mutter (Malin Akerman), die in besagtem Film ihre 15 Minuten Ruhm erlebte, und nun in direkter Konfrontation mit ihrer zukünftigen Tochter lediglich das Alter Ego ihrer Rolle auszufüllen vermag, ohne Bewußtsein für ein Jenseits der Film-Realität. Dialoge muten dem Zuschauer einiges an emotionalem Ballast zu, immerhin gewichtig genug um selbst stereotypen Charakteren ein sympathisches Profil zu verleihen.
Nur auf den letzten Metern geht dem Film die Puste aus (allzu blutig wird's dank PG-13 auch nicht), in Erinnerung bleiben ein unwiderstehlich knalliger Look, stylische Schwarz-Weiß-Rückblenden, und Toni Basils '82er Hit "Hey Mickey". Und, hey, mal ehrlich: Filme mit "Hey Mickey" haben doch grundsätzlich was Richtig gemacht!

© Alex

Wednesday, October 21, 2015

THE EQUALIZER (USA, 2014)




Erbärmliche PUNISHER-Variation, die 2 Stunden lang auf derselben Note rumhämmert, und dabei unangenehm unmenschliche Töne anschlägt; daß diese stumpfe Montage von kontextfreien Kill-Szenen soviel Zuspruch erntet, lässt mich ratlos zurück. Eventuelles Story-Potential (die Moretz) ist nach 10 Minuten ausgereizt, was bleibt ist eine peinliche Vigilante-Phantasie ohne Nuancen und Spannungsgefälle. Nur Posing.
Der Unterwelt-Sündenpfuhl ist eine Ansammlung von Klischees, nicht einmal für einen Antagonisten auf Augenhöhe hats gereicht, die Bösen müssen grimmig gucken, Koks schniefen und Frauen schlagen (Tattoos schaden auch nicht). Daher nix zu verlieren für unseren unverwundbaren Super-Baumarkt-Fachangestellten mit Regierungs-Connections, der immer hinterm richtigen Vorhang steht, wenn bereits alle Wachen während der Schwarzblende getötet wurden, und dann nur noch den Abzug drücken muß, um einen weiteren profillosen Schergen über Gebühr sadistisch in den Ruhestand zu schicken. In welche Richtung er die Waffe hält, ist dabei prinzipiell egal, der eingebaut Aimbot wird's schon richten.
Hat was von einer Videospiel-Cutscene mit sporadisch eingestreuten Quicktime-Events (die kann man auch nicht verlieren). Maximal bescheuerte End-Pointe inklusive.

© Alex

Wednesday, August 19, 2015

IT FOLLOWS (USA, 2014)




Vorstadt-Atmosphäre zum schneiden, authentische Charaktere in einer angenehm zurückhaltend inszenierten Retro-Horror-Fabel. Und der bedrohlich wummernde und klimpernde Soundtrack beschwört Carpenter-Vibes herauf. Dabei ist IT FOLLOWS so voll des konservativen Subtextes, als wäre das Genre gestern aus dem Taufbecken geklettert - ein keuscher Lebensstil als Kondom für's Gewissen, Halleluja. Und das so ein Film nicht etwa bieder, sondern regelrecht geil sein kann, dafür liefert IT FOLLOWS den besten Beweis:
David Mitchell inszeniert seine Vision als Hommage ohne Augenzwinkern, dafür mit doppeltem Boden; konservativ und sexuell war Horror eh immer. Der Film zitiert reaktionäres Gedankengut, fällt ihm jedoch nicht zum Opfer, auch eine Predigt findet nicht statt, und mit katholischer Propaganda hat die Geschichte noch weniger am Hut. IT FOLLOWS ist eine Meditation über eine bestimmte archetypische Disposition im klassischen Horrorfilm (Sex = Tod), folgt deren Regeln mit Blick von schräg oben: entscheidend ist die Perspektive, aus der das Thema "Sex" betrachtet wird (welche den Film erst interessant und unique macht), da hier ausnahmsweise keine promiskuitiven Party-Kids um ihr Leben zittern, sondern konträr gepolte Charaktere, und darauf muß man sich einlassen, sonst funktioniert das Experiment nicht.

© Alex