Thursday, February 2, 2017

PICKNICK AT HANGING ROCK (Australien, 1975)




Basierend auf Ereignissen, die sich um die Jahrhundertwende (19./20. Jahrhundert) in Australien zugetragen haben: bei einem Ausflug in die Wildnis bleiben drei Schülerinnen und eine Lehrerin verschollen. Spurlos. Bevölkerung, Polizei und Internatsleitung sind ratlos, und wo man hinsieht, verstörte Blicke, brütende Gesichter, verschwörerisches Tuscheln. Die flirrende Sommerluft, das Echo eines verhaltenen Kicherns, die verträumte Atmosphäre - alles Fassade: hinter den Mauern einer Erziehungsanstalt für privilegierte junge Damen brodelt es gewaltig ...
PICKNICK AT HANGING ROCK ist Kinokunst von höchster Güte; der Film entwickelt einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Große Bildern, große Emotionen, eine ambivalente Inszenierung, die Spielraum für Interpretation lässt, und dazu einlädt, sich nachhaltig mit Inhalten auseinanderzusetzen. Poetisch und mysteriös, ebenso behutsam wie unerbittlich und irgendwie "schwelend". Ein Film über Legendenbildung.

© Alex

Wednesday, February 1, 2017

THE SEASONING HOUSE (Großbritannien, 2012)




THE SEASONING HOUSE macht es einem nicht einfach, der pinkelt nämlich Drama-Queens wie Exploitation-Fans gleichermaßen ins Müsli. Für einen bloßen Unterhaltungs-Thriller wird das Setting zu desolat und schonungslos ausgeschlachtet, mit extra gritty Note, dank Balkan-Kriegs-Szenario. Verändern wird der Film nix, dafür ist er zu sehr Genre: rausgekommen ist ein Quasi-Exploitation-Suspense-Rache-Drama, das in der Darstellung von Zwangsprostitution durchweg an die Nieren geht, dann, im Vigilante-Part in bester "Zeig's-ihm!"-Manier die blubbernde Blutsuppe auftischt, und sich dann auch noch traut, im Finale eine Antiklimax aufzufahren (die ich in Aussage und Exekution aber ziemlich wirkungsvoll fand).
Warum das vielleicht doch irgendwie funktioniert? Rosie Day ist ein zierliches Mädchen, der man ihren erbitterten Überlebenskampf zu jeder Sekunde abnimmt, weil sie eben nicht unvermittelt zum Super-Girl mutiert, sondern jedwede physische Herausforderung innerhalb ihrer körperlichen Grenzen mit den ihr von Gott gegebenen Mitteln nachvollziehbar meistert. Mitreißend in Szene gesetzt, auch gut gefilmt und gespielt.

© Alex

A SERBIAN FILM (Serbien, 2010)




Pubertärer "Boah bin ich hart"-Quatsch, für Normalzuschauer quasi unanguckbar: per Strichliste alle Widerwärtigkeiten zum Thema Snuff-Porn in einen Topf geschüttet und einen zweitklassigen "Twist", der nach der zehnten Minute absehbar ist, hintendran geklatscht, und dessen Big Reveal-Inszenierung an Peinlichkeit nicht zu überbieten ist - fertig ist der nach Aufmerksamkeit geifernde Gemütserreger. Für alle Beteiligten eine ziemliche Fremdscham-Nummer - hätte einer meiner Bekannten diesen Film produziert (oder gar gedreht), würde ich ihm/ihr die Freundschaft kündigen.
Für echte Kontroverse muß ein Film eine Idee liefern, welche die Handlung transzendiert und mich über das Gezeigte reflektieren lässt, mein moralisches Empfinden in eine Sackgasse drängt, so geschehen in MARTYRS, DEVIL'S REJECTS, EDEN LAKE oder INSIDE - dafür ist A SERBIAN FILM zu oberflächlich und schludrig geschrieben, suhlt sich in pornographischer Übertreibung, wüsten Behauptungen und unglaubwürdigen Wendungen - wie egal den Machern ihre eigenen Charaktere sind, merkt man in den Dialogen: da geht's ausschließlich ums Wichsen oder Ficken; stattdessen Imaginationen übers soziales Umfeld, ein empathischer Appell, oder dem Zuschauer ein Gespür für gelebte Werte zu vermitteln, das bleibt A SERBIAN FILM uns schuldig. Provokation, die nicht provoziert - wie ein 9-jähriges Arschlochkind, daß mich "Fotze" nennt, vors Schienbein tritt, und sich dann aus Trotz einpinkelt - da halte ich auch nicht an und fange an zu argumentieren, ich gehe einfach weiter und bemitleide die Eltern.
Hat mich der Film verstört und abgestoßen? Ja. Hat er mich aufgerüttelt oder bewegt? Nein. Hat er mich gelangweilt? Auch.

© Alex

Saturday, June 18, 2016

PRIDE AND PREJUDICE AND ZOMBIES (Großbritannien/USA, 2016)




Ein feiner Film. Einer, mit dem Produzenten und Studio ein Risiko eingegangen sind, da er sich Genre-mäßig zwischen die Stühle setzt ... merkt man immer daran, wenn im Feuilleton die Phrasen "zu blutig für Oma" und "zu kitschig für Nerds" gegeneinander ausgespielt werden. So ein Experiment weiß nur ein verhältnismäßig kleiner Prozentsatz der Kinogänger zu schätzen. Aber warum nicht beides? Ist auf dem Anime-Sektor längst Gang und Gäbe und daraus sind schon viele spannende Transitionen hervorgetreten - Fans werden zur dankbareren Zielgruppe gehören, ansonsten noch die Steampunk-Geeks, die auch ohne Dampf und Zahnräder an Garderobe und Zeitgefühl Gefallen finden dürften.
Die Inszenierung schlägt in dieselbe Kerbe wie ABRAHAM LINCOLN: VAMPIRE HUNTER, funktioniert hier aber besser, weil 1) ein eng abgesteckter Handlungszeitraum existiert, und 2) kein Holocaust weichgespült werden muß, dessen wahrhaftige Schilderung geneigt ist, den durchschnittlichen Trump-Wähler zu verschrecken. Die Geschichte wird verhältnismäßig ernst vorgetragen, laute Lacher und Slapstick sucht man vergebens, der Humor ist subtil und findet zwischen den Zeilen statt - wenn beispielsweise Zeilen aus Jane Austens Original in "zombifiziertem" Kontext 1:1 rezitiert werden, entbehrt das nicht einer gewissen Komik.
Das Gemetzel ist für ein PG-13 erstaunlich graphisch geraten, hier hatte jemand seinen Spaß, die Martial Arts-Gören adrett in Szene zu setzen. Das Gros der Laufzeit wird jedoch von höfischem Drama und sie-liebt-ihn-sie-liebt-ihn-nicht-Geplänkel, allzeit untermalt durch wohltemperierte Kammermusik, eingenommen - nur eben vorm Hintergrund einer Untoten-Apokalypse; das ist nicht minder spannend und vergnüglich (vor allem wenn abrupte tonale Veränderungen stattfinden und sich Erzählebenen überkreuzen), aber, um eventuell "überhypten" Erwartungen einen Dämpfer zu verpassen: man bekommt hier immer noch ein "Stolz und Vorurteil" MIT Zombies - nicht umgekehrt. Auch ist Regisseur Burr Steers weniger an engen Korsetts und berstenden Dekolletés interessiert, als an Personen, die dadrinnen stecken; mitunter mit feministischer Agenda: weibliche Charaktere sind stark und komplex gezeichnet.
Leider lässt die beschränkte Laufzeit einen lediglich auf Protagonisten fixierten Blickwinkel zu - das wird immer dann problematisch, wenn sich deren Geschicke mit Schicksalen von Nebenfiguren verknoten - ein paar mehr Szenen, in denen der ein- oder andere Charakter näher beleuchtet, oder in Erinnerung gerufen wird, wären nett gewesen.
Wer aber Augen und Ohren offen hält, den Film gleich zu Beginn als symbiotisches Konstrukt begreift, bei dem nicht der Drama-Part den Weg zur nächsten Action-Szene ebnet, sondern als gleichwertiges Pendant verstanden werden will, sollte keine Schwierigkeiten haben, den romantischen Verwicklungen zu folgen und Lily James' charismatischem Schauspiel zu verfallen.

© Alex

Tuesday, January 19, 2016

COLOR OF NIGHT (USA, 2015)




Besser bekannt als der Film, in dem Bruce seinen Willie an die frische Luft lässt - COLOR OF NIGHT fiel bei Kritikern und Publikum durch, was selbstverständlich nichts über seinen Unterhaltungswert aussagt. Ein bißchen darf man sich wundern, was John McClane geritten haben muß (abgesehen von Jane March), als er seine Signatur unter den Vertrag setzte: in den Dialogen schlägt der Beklopptheitspegel hart in den roten Bereich aus, die schwülen Sexszenen wurden mit einem kitschigen Pathos inszeniert, der eher zum Lachen als zum Schwitzen reizt. Trotzdem kommt unterm Strich ein nicht unspannender, leicht verdaulicher Psychothriller dabei herum, der seinen hanebüchenen Plot mit schönen Popos und Noir-Elementen aufzuwerten sucht, und mir der ein- oder anderen Wendung überrascht.
"Finger weg" gilt hier nur für die deutsche Lokalisation, die sich qualitativ wenig von synchronisiertem Porno-Gestöhne abhebt.

© Alex

Saturday, January 16, 2016

LUCY (Frankreich/USA, 2014)




Angenehm gegen den Strich gebürstete Popcorn-Philosophie, die mit entwaffnender Unbekümmertheit Genre-Plattitüden existenzialistischen Kernfragen gegenüberstellt, dabei selbstverständlich eine Antwort schuldig bleibt, es aber in ausreichendem Maße versteht, Netzhaut und Synapsen zu kitzeln, und in mindestens einer Szene Zuschauer-Erwartungen augenzwinkernd unterwandert.
Zum Arthouse wird LUCY deswegen nicht, mehr so 'ne Art TRANSPORTER meets 2001 mit 'ner 0,5-Pepsi und Fritten (zum hier essen), und von Luc Besson, dem Meister der affirmativen intellektuellen Unterforderung derart flott und eingängig verpackt, daß auch Morgan Freemans bekloppte "wissenschaftlichen" Ausführungen das Vergnügen nicht zu schmälern vermögen.
Irgendwie total faszinierendes Teil, welches mich auch beim zweiten Mal Gucken noch sprachlos zurücklässt.

© Alex

Friday, January 15, 2016

HARUKA UND DER ZAUBERSPIEGEL (Japan, 2009)




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Glasklar und gestochen scharf agieren digitale Protagonisten vor teils gemalten, teils CGI-generierter Szenerie, wirken nicht selten wie unbeholfen animierte Puppen, die in seltsam toten, starren Kulissen umherstaksen. Verkehrte Welt: in BLOOD: THE LAST VAMPIRE, einer technisch beeindruckenden Tech-Demo aus dem Hause Production I.G. (im Jahre 2000) waren es noch gezeichnete 2D-Charaktere, die in gerenderten Umgebungen auftraten und einen wesentlich homogeneren Eindruck hinterließen. Und während bei Pixar, Dreamworks und Co. der Hintergrund ebenso kreativ zum Leben erwacht wie der Vordergrund, dem aufmerksamen Betrachter eine Fülle an Gags und sekundärem Entertainment offenbart, das beim ersten Mal nur aus den Augenwinkeln wahrgenommen wird, dennoch anteilig dazu beiträgt, daß die Welt aus Nullen und Einsen zum Leben erwacht, existiert bei HARUKA ein einziger, schnurgerader Pfad zum Ziel, rechts und links Flora und Zivilisation im gleich scharfen HD bis in die hintersten Winkel ebenmäßig ausgeleuchtet. Detailreich gezeichnet, nicht lieblos, aber leblos und deshalb langweilig. Wie in einem Computerspiel. Einem langweiligen. [...]


© Alex