Sunday, December 11, 2011

SHERLOCK HOLMES: SPIEL IM SCHATTEN (USA, 2011)




Zwischendurch konnte man meinen, Guy Ritchie wolle eigentlich gar keinen SHERLOCK HOLMES drehen, sondern einen Steampunk-Actioner. Die Flucht-Szene durch den Wald war jedenfalls aus einem komplett anderen Film - glücklicherweise ein Genre, von dem ich nicht genug kriegen kann. Und wenn dann am Ende das Drehbuch doch noch ein bißchen zur aus dem ersten Teil gewohnten Rafinesse zurückkehrt, jedes Puzzleteil seinen Platz findet und sich gar traut, mit einer (gelungenen) Antiklimax Erwartungen zu unterwandern, waren so einige düstere Szenarien, die man sich anhand des Trailers bereits zusammenfabuliert hatte, wie weggeblasen. Gelungenes Popcorn-Abenteuer, welches weniger mit Aha-Kombinatorik, als einer temporeichen Inszenierung, dem tollen Downey Junior und einem stimmigen viktorianischen Setting punktet; die latente Jules-Verne-SF ist hierbei das Salz in der Suppe. Mit Conan Doyle hat das freilich nicht mehr allzuviel zu tun, und etwas weniger Krabautz-auf-die-Fresse und mehr Spiel im Schatten würde einem weiteren Teil sicherlich nicht schaden ...
Über Dialoge und Humor mag ich mich derzeit nicht äußern ... hege hier stark den Verdacht, daß einiges an subversivem Wortwitz in der Synchronisation verloren gegangen ist.

© Alex

RARE EXPORTS (Finnland/Norwegen/Schweden/Frankreich, 2010)




Konsequente Dekonstruktion, bzw. Neu-Interpretation des Santa Claus-Mythos: Der Weihnachtsmann ist hier ein nacktes, bärtiges Monstrum mit Hörnern, daß unartige Kinder entführt und mißhandelt. RARE EXPORT bedient sich zwar einiger dramaturgischer Kniffe aus dem Horror-Genre, vordergründiger Splatter findet jedoch ausschließlich außerhalb der schwarzen Balken statt, was auch gut so ist - diese kleine Perle aus dem hohen Norden hat andere Vorzüge, zum Beispiel urige Charaktere jenseits vom Reißbrett-Schema gängiger Genre-Ware, ist filmisch makellos inszeniert, und unterhält mit einer grandios-grantigen Schlußpointe. Tolle Einstimmung auf den alljährlichen, wunderschönen familiären Terror mit Potential zum Kultfilm - muß ja nicht immer DER KLEINE LORD sein ...

© Alex

UNDER THE FLAG OF THE RISING SUN (Japan, 1972)



- "I ate a man, and still the world didn't change."


Eine Kriegs-Witwe versucht fast 30 Jahre nach der Pazifik-Invasion an die Veteranen-Rente ihres verstorbenen Mannes zu kommen, der an der Neu Guinea-Front gedient hat. Er sei unehrenhaft exekutiert worden, deshalb verweigert man ihr die Auszahlung. Sie sucht nacheinander verschiedene Seargents auf, die zusammen mit ihm gedient haben, um den tatsächlichen Sachverhalt herauszufinden. Jeder hat eine andere Geschichte zu erzählen, und wie so of in einer RASHOMON-artigen Handlung liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Kriegs-Szenen finden ausschließlich in einer Collage von Archiv-Fotos statt, mit entsprechenden Sounds untermalt, Rückblenden sind in Schwarz-Weiß gehalten, und wechseln nur für gelegentliche gewalttätige Ausbrüche in Farbe, was teilweise ziemlich schockierend wirken kann. Alliierte brauchen die Japaner gar nicht, die massakrieren sich nämlich untereinander selbst - das "Anti"-Präfix hat sich dieser denkbar unpatriotische Kriegsfilm von Kinji Fukasaku redlich verdient.
Jetzt das große ABER: Leider, leider, leider kommt der Film selten ins Erzählen, wirkt unfertig und stückhaft, Charaktere ergehen sich in langen Monologen anstatt zu handeln, und der Voice-Over wirkt insbesondere, wenn er einem Geschehnisse erzählt, die gerade vor den eigenen Augen stattfinden, obsolet. Emotionale Bindungen erlaubt das Skript so gut wie gar nicht; Fukasakus Anspruch, den Schrecken des Krieges möglichst dokumentarisch abzubilden, steht sich hier selbst im Weg.

© Alex

BUCK ROGERS IN THE 25th CENTURY 1st SEASON 1-21 (USA, 1979 - '80)




Erinnere mich noch, als ich den damals im Fernsehen sah ... Erin Gray im Neopren war danach für lange Zeit erstmal The Friggin' Hottest Thing Ever. Höchste Zeit also für eine Auffrischung im O-Ton ... Glück gehabt: das Teil ist wirklich verdammt gut gealtert (außerdem gibt's hier - leider nur im Pilotfilm - die sexieste SF-Titelsequenz seit der schräg nach hinten laufenden Wall of Text in STAR WARS). Film und Serie wurden an Sets von BATTLESTAR GALACTICA gedreht, das Budget dürfte sich wenig über STAR CRASH-Niveau bewegt haben, macht aber dank Protagonist mit Han Solo-Attitüde und lakonischen Dialogen einen Heidenspaß (und die Mädels sind natürlich immer noch genauso hot wie Anno '79). Seine 08/15 Space-Opera-Story zieht der Pilotfilm dagegen mit entwaffnendem Ernst und Naivität durch, was dem Unterhaltungswert keinen Abbruch tut; im Gegenteil.
In der nachfolgenden Doppelfolge für's Fernsehen (PLANET OF THE SLAVE GIRLS), kriegt man dann ein bißchen den Eindruck, Roger Corman hätte das STAR TREK-Set gekapert und sich ein paar Tage lang ausgetobt: die Röcke sind kürzer geworden, der Camp-Faktor mit 11 mulitpliziert, Space-Ninjas mit Elvis-Nieten-Anzügen schleudern Boomerangs, Gil Gerards Chauvi-Sprüche lassen mittlerweile sogar Sean Connery erröten, und ein wahnsinniger Sekten-Hypnotiseur mit glühenden Händen plant die Eroberung der Erde.
Pures Gold. Oder, um's mal mit den Worten von Twiki zu sagen: "Beedee-beedee-beedee - Buck, you're my kind of guy!"

© Alex

VEILED TRUTH: WHAT COMES AROUND (USA, 2006)




Prostituierte (Emmanuelle Vaugier) sorgt dafür, daß ihr Pimp in den Knast wandert, 11 Jahre später ist er wieder auf freiem Fuß und fordert das Geld ein, welches sie ihm schuldet, sonst muß ihre perfekte American Dream-Family dran glauben. Kleiner TV-Krimi ohne große Überraschungen und Höhepunkte, aber okay gespielt und leidlich spannend. Nix, woran ich mich morgen noch erinnere.
Und weil ich keinen Screenshot gefunden habe (und die DVD bereits aussortiert habe) gibt's stattdessen ein Bild von einer Schildkröte. Viel Spaß.

© Alex

KING KONG VS. GODZILLA (Japan, 1962)




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Filmisch ausgeschlachtete Franchise-Kollisionen gibt es nicht erst seit FREDDY VS. JASON, und lässt man deutsche Titel der GODZILLA-Reihe Revue passieren, mag der Eindruck enstehen, namhafte Charaktere wie Frankenstein und King Kong seien Konstanten. Selbstverständlich gibt es nur einen King Kong, und der sieht auch genauso aus, wie man sich King Kong vorstellt: ein haushoher Menschenaffe mit verdammt schlechter Laune. Hinter den übrigen Titeln (KING KONG: DÄMONEN AUS DEM WELTALL) verstecken sich Jet Jaguar, und 1974 auch mal Mechagodzilla (KING KONG GEGEN GODZILLA). Idiotisch und verwirrend, aber so steht es geschrieben. [...]


© Alex

JULIA X (USA, 2011)




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Sterile Lollipop-Erotik, hysterischer Folter-Humor und Bonbon-Art Deko in gesättigten Primärfarben als überdosiertes Antibiotikum gegen Aufmerksamkeits-Lags - selbstverständlich funktioniert das, allerdings ist bei solch einer ganzheitlichen Attacke aufs Nervensystem man schnell gegen subtilere Reize resistent. Wie jemand, der auf einer Partie stündlich die Musik ein paar Dezibel höher dreht, und wer sich weiter unterhalten möchte, muß halt irgendwann schreien. Und wenn sich alle Anschreien, hört keiner die Musik mehr; da hilft es dann nur noch, den Bass reinzuknallen. [...]


© Alex

WHEN DINOSAURS RULED THE EARTH (Großbritannien, 1970)




Fell-Bikinis, Dinosaurier, Riesenkrabben, Jungfrauen-Opfer und Catfights in der Brandung - das britische Hammer-Studio weiß, was die Leute im Kino sehen wollen: zum Beispiel einen Nachfolger zu 1 MILLION YEARS B.C. mit noch mehr Sauriern und noch mehr Fell-Bikinis. Die Monster-SFX sind diesmal zwar nicht von Ray Harryhausen, müssen sich aber keinesfalls dahinter verstecken; im Gegenteil: die aufwendigen Stop-and-Motion-Animationen beeindrucken heute noch. Der schönste SFX des Films bleibt aber Victoria Vetri, die zwar keine Raquel Welch ist, aber immerhin Playmate des Jahres 1967 und das muß doch auch etwas wert sein ...
Und die Story? Blondine entkommt einem heidnischen Opfer-Ritual, springt ins Meer und wird an ein fremdes Ufer gespült, wo ein schwarzhaariger Stamm sie aus den Wellen fischt. Klar, daß ihre goldene Haarpracht für Aufsehen sorgt; einer der Krieger verguckt sich dann auch prompt in die hübsche Steinzeit-Maid, und, naja, und das war's dann schon. Den Rest des Films läuft Victoria durch den Dschungel, ruft "Akita, Oodalla, Neikro!" und als Zuschauer wartet man irgendwie beständig darauf, daß ihr der Bikini über die Nippel rutscht. Einmal tut er's sogar, das wertet den Film aber nicht ab.
They don't make 'em like this anymore.

© Alex

HONEY 2: LASS KEINEN MOVE AUS (USA, 2011)




Warum habe ich mir den eigentlich angeguckt? Weil der erste ausgeliehen war? Was? Kein Grund? Naja ... dann weiß ich's auch nicht. Sowas Tolles wie GIRLS UNITED wird's eh nie wieder geben. Also, Schwamm drüber.

© Alex

GODZILLA RAIDS AGAIN (Japan, 1955)




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Große Überraschung: für seine Rückkehr hat man weder Quantenphysik bemüht, noch genetisches Potential genutzt, stattdessen die denkbar einfachste Lösung gewählt: es gibt noch einen! So ist das schwarz-weiße Urviech dann auch das einzige, was das Sequel mit dem Original-GOJIRA gemeinsam hat; keine Meta-Ebene mehr, keine Öko-Schelte. Dafür mehr Action, mehr Zerstörung, mehr Monster. Ja, richtig gelesen: Godzilla bekommt Gesellschaft. Schon wieder Tokyo zu zerstören wär' ja langweilig, und um die geringere Größe des neuen Spielplatzes (Osaka) zu kompensieren, wurde das Volumen der Monster-Fraktion verdoppelt. Auch auf den ersten Kontakt muß man nicht halb so lange warten wie im ersten Teil. [...]


© Alex

GODZILLA (Japan, 1954)




[...]
Erfreulich auch, daß bis zum Ende hin menschliche Schicksale die Geschichte mitbestimmen; die Riesenechse mag Star des Films sein, jedoch nicht sein Protagonist. Diesbezüglich hat sich mit zunehmend ausufernden Monster vs Monster-Brawlings der Nachfolger einiges geändert. Auch das Ende ist dank melodramatischen Twist ungleich trauriger ausgefallen (und behält sich eine mögliche Rückkehr des TOHO-Wappentiers vor). Daß aber Godzilla letzendlich in 27 weiteren Filmen Primär- und Kollateralschaden austeilen würde, davon hätte wahrscheinlich selbst Ishiro Honda nicht zu träumen gewagt. Die unvermeidliche Frage, ob nun überholtes Relikt oder unverzichtbarer Klassiker, gebe ich in rhetorischer Absicht an den Leser zurück. Selbstverständlich darf man GODZILLA langweilig finden oder unspektakulär; nicht jedoch schlecht. Und den Film in der Trash-Sparte ablegen, geht gar nicht. [...]


© Alex

WORLD INVASION: BATTLE LOS ANGELES (USA, 2011)




High-Definition-Dolby-Digital-Surround-Call-of-Duty-HE-Rounds-Foxtrott-Delta-Extraction-Point-Charlie-You-Were-A-Good-Marine-Bushmaster-Patriot-Gonzo-Porn with lots of Anal. I mean Aliens.
Erzreaktionäres Durchhalte-Kino für die Jungs in Afghanistan. Inhaltlich eine Frechheit, aber, hey, Fuck, die Scheiße knallt lauter als 'nen eingeklemmter Furz im kontrahierten Enddarm eines Republikaner-Senators. Und viel mehr passiert in BLACK HAWK DOWN auch nicht; immerhin ist hier nicht andauernd Nacht, und man kann auch mal die Gesichter erkennen.

© Alex

SEASON OF THE WITCH (USA, 2011)



- "We need more Holy Water!"


Sympathischer Hochglanz-Fantasy-Schnokus nahe am Trash. Das knallige Opening ist zwar nicht besonders klug, nimmt es doch sämtliche, ohnhin nur marginal vorhandene Ambivalenz aus dem Hexen vs. Kirchenrebell-Diskurs, macht aber immerhin von der ersten Minute an klar worum es hier geht: nicht um dröge Authentizität und biederes Historien-Gewichse, sondern einzig allein um The Awesome Hair of Nic Cage vs. Bad Bitches From Hell, und zieht das so konsequent und stilsicher durch wie in der nicht vorhandenen Comic-Vorlage. Wenn dann noch im letzten Drittel alle SFX-Klischees aus der Exorzismus-Kiste gepackt werden, darf gerne ein zweites Bier aufgemacht werden; dann aber bitte schnell trinken, ist nämlich auch leider recht flott vorbei, und nicht halb so grantig wie es angeteasert wurde, was im Übrigen auch der einzige negative Punkt ist: Kameraführung und Schnitt triefen nur so vor PG-13-Opportunismus, andererseits guckt hier Nicolas Cage so herrlich verzweifelt aus der Wäsche, da kann man schonmal ein mitleidiges Auge zudrücken.

© Alex

RED STATE (USA, 2011)



- "How much do you think a cross like that costs?"
- "You mean in dollars or common sense?"



Let's face it: der größte Trumpf des Films ist, daß er sich nicht wie ein Kevin Smith-Film anfühlt, zumindest nicht auf den ersten Blick, und was da abgeht, ist auch zunächst verdammt mitreißend und erfrischend. Tatsächlich ließe sich die Handlung leicht auf jedweden religiösen Fanatismus ummünzen, egal ob da jetzt gerade gegen Abtreibung, Kondome oder andere Religionen von der Kanzel gewettert wird ... in RED STATE geht's primär um Homosexualität, weil, nun ja, irgendwie ist es ist halt immer noch ein Kevin Smith-Film.
So hätte ich dann auch lieber gesehen, wie eine ganz gewisse Szene im letzten Drittel tatsächlich konsequent zuende gedacht worden wäre, jemand tatsächlich den Mut gehabt hätte, alle Hebel auf Go zu stellen, den rationalen Boden zu verlassen und ab ins Meta-Fuck-You-Land abzuheben. Aber kein Showdown. Stattdessen nur ein viel zu langer, antiklimaktischer, semi-witziger Talk-Down, der zumindest knapp an einer moralinsauren Predigt vorbeischrammt und mit einer letzten, gelungen Pointe zwar wieder ein bißchen versöhnt, aber weitaus lieber hätte ich den hervorragenden FILM zuende geschaut, den der FILMEMACHER (und nicht der CLERK) Kevin Smith geschrieben hat.

© Alex

ASSAULT GIRLS (Japan, 2009)




[...]
Während in AVALON Mamoru Oshii mit verschiedenen Erfahrungsebenen experimentierte und seine Charaktere auf einen Selbstfindungs-Trip schickte, an dessen Ende die Grenzen zwischen physischer und digitaler Welt verschwammen und die Wahrnehmung der Realität zum beliebig formbaren Begriff geriet, existiert in ASSAULT GIRLS nur noch eine Ebene: das Spiel. Ein Hochglanz-Video, in dem 65 Minuten lang schmucke Mädels in Kampfanzügen mit phallischen Waffen Granaten in Terabyte-große Matrizen von Monsterwürmern pumpen. Spannend ist das selten: wer tot ist, bekommt zwar ein paar Punkte abgezogen, kann sich aber erneut einloggen und es solange weiter versuchen, bis entweder das Konto leer, der Großhirn-Cortex frittiert oder das Abendessen serviert ist. Rasch wird klar, daß hier keine Charaktere aus Fleisch und Blut unterwegs sind, sondern zweidimensionale Karikaturen von Typen, denen man in jedem Online-RPG begegnen kann und durch unterschiedliche Motivationen ans Spiel gefesselt sind: Meisa Kuroki als Gray, fanatische Highscore-Jägerin, die ihren Avatar möglichst schnell hochleveln möchte; Colonel (Hinako Saeki), enigmatische Hardcore-Rollenspielerin, die ganz in der Online-Welt aufgeht und jede Facette ihres fiktiven Charakters lebensnah ausspielt; Lucifer (herausragend: Rinko Kikuchi als bizarre Gothic-Ballerina mit Engelsflügeln), Spielerin aus Leidenschaft, die einfach nur ein bißchen Spaß haben möchte, und dann noch Jäger (Yoshikazu Fujiki), einziger Mann im Zocker-Harem, seines Zeichens arroganter Besserwisser-Noob mit Sozial-Phimose, den man nur aufgrund überragender Tank-Stats in der Gruppe behält und nach getaner Arbeit als ersten kickt. [...]


© Alex

CRONOS (Mexiko, 1993)




Geradliniges, aber atmosphärisch dichtes Horrordrama über einen Steampunk-Apparatus, der ewiges Leben verspricht. Aber wie so oft kommt die Anwendung mit einem Preis ... schon in seinem Debüt lässt Guillermo del Toro beachtliches Stilgespür, Phantasie und eine innige Liebe für's Genre durchblicken. Die Lovecraft'sche Atmosphäre des Zerfalls und den Poe'schen Gothic-Grusel hat er anscheinend mit der Muttermilch aufgesogen. Angereichert mit einer Prise alchemistischem Hokuspokus, fügt er so in CRONOS dem Vampir-Mythos ein paar erfrischende Facetten hinzu. Guter Mann, guter Film.

© Alex

SCREAM 4 (USA, 2011)



- "I saw that in the theater, it sucks. It's not scary, it's gross. I hate all that torture porn shit."


Wes Craven beweist einmal mehr, daß die besten Slasher, fast 15 Jahre nach seinem Überraschungserfolg, immer noch mit "Scream" anfangen und mit einer Zahl aufhören. Eine Horrorreihe die, wie keine andere, von der Konsistenz ihrer Charaktere lebt: Neve Campbell, Courteney Cox und David Arquette sind Konstanten, die nicht mehr wegzudenken sind. SCREAM 4 sieht aus und fühlt sich an wie seine Vorgänger, dafür sorgen die smarten, doppelbödigen Dialoge, die einmal mehr eine ambivalente Balance zwischen Genre-Konformität und -Dekonstruktion errichten, quasi das Fundament der Reihe. Und im Vergleich zum dritten Teil, dessen Produktion damals extrem von den Nachwehen des Columbine-Massakers überschattet wurde, schlitzt sich SCREAM 4 mit fast demselben Blutgehalt des ersten Teils hierzulande sogar in die FSK-16-Rige vor. Es geschehen noch Zeichen und Wunder, bzw. ob das alles wirklich so richtig ist und die Herren Jugendschutz diesmal nicht tatsächlich ein bißchen besoffen waren, sei dahingestellt - dem Film als Solchen hat es jedenfalls nicht geschadet.

© Alex

KUNG FU PANDA 2 (USA, 2011)




KUNG FU PANDA war für mich damals nicht weniger als der bessere WALL-E, ein zweiter Teil schien mir dagegen keine gute Idee, schließlich war jegliche Charakter-Entwicklung bereits abgeschlossen. Und trotzdem macht KUNG FU PANDA 2 alles richtig: statt einer neuen Geschichte wird ein actionreicher Epilog nachgeliefert, wo alle nochmal zeigen können, was sie drauf haben; und macht das so toll, so mitreißend, so rasant, daß man kaum zu Verschnaufen kommt. Ein simples, aber mit viel Herz und Qi erzähltes Abenteuer, ein neurotischer Pfau als Schurke und reichlich Slapstick sorgen für ausreichend Kurzweil. Die Choreographien steht in Sachen Kreativität dem Vorgänger in Nichts nach, mit etwas gutem Willen kann man in der Story sogar Elemente aus der ONCE UPON A TIME IN CHINA-Trilogie und Chang Chehs ALL MEN ARE BROTHERS ausmachen (natürlich ohne das tragische Ende). Und ein paar weitere Genre-typische Checkpoints (Klischees will ich sie nicht nennen, Klischees sind nämlich doof und machen keinen Spaß) werden ebenfalls abgehakt - für Shaw Brothers-Fans sicherlich eine Fundgrube. Die Zen-Kalendersprüche dürfen da selbstverständlich nicht fehlen - glücklicherweise mit einem Augenzwinkern vorgetragen. Bin fast ein bißchen begeistert!

© Alex

GANTZ (Japan, 2011)




[...]
GANTZ ist eine freche Mogelpackung - viel mehr als eine auf Überlänge aufgepumpten Exposition findet nicht statt; ein zu allem Unglück visuell äußerst attraktiver Big Budget-Teaser für den vermutlich aus allen Fugen berstenden zweiten Teil. Woher kommen die Aliens? Wer zieht die Fäden? Was ist die Kreatur im Inneren der Kugel und spricht sie wirklich die Wahrheit? Viel verlange ich ja gar nicht - ein vager Fingerzeig, daß überhaupt Antworten zu jenen Fragen existieren, würde ausreichen. Aber in dieser Hinsicht läuft GANTZ ab wie ein 2,5-stündiger Striptease, bei dem irgendwann das Licht ausgeht, bevor auch nur ein einziges Kleidungsstück gefallen ist. Um die Geldscheine im Strumpfband tut's einem da weniger leid als um die Zeit, in der man weiß Gott was Sinnvolleres hätte anstellen können: ein Killerspiel durchzocken, zum Beispiel; ein Sudoku lösen. Oder sich 100 schwarze Murmeln in die Nase drücken. [...]


© Alex

THE CRAFT: DER HEXENCLUB (USA, 1996)




Habe ich damals mit süßen 18 Jahren geschaut, als alle Welt in die SCREAM-Queen Neve Campbell verknallt war. War natürlich begeistert. Gerade heute aus Nostalgie-Gründen ausgepackt, und verdutzt festgestellt, daß der ja immer noch funktioniert, rasantem Tempo, spritzigen Dialogen, attraktiven (und talentierten) Jungdarstellern sei Dank. Biedert sich mit seinem Highschool-Setting, trendiger Emo-Garderobe und dem hippen Girls-Talk natürlich extrem bei einer minderjährigen BUFFY-Zielgruppe an, ist auch allgemein recht zahm gehalten, kennt aber dennoch die richtigen Handgriffe zum Aufbauen einer unheilvollen Atmosphäre, die einen rasch in Bann gezogen hat. Auch toll: die unvermeidlichen SFX werden überraschend zurückhaltend eingesetzt, also keine magischen Blitze und schlecht geschminkten Dämonenfratzen, die einen aus dem Spiegel heraus anglotzen. Dreht nur zum Schluß etwas auf, was man ja dann irgendwie auch erwartet, kriegt aber rechtzeitig die Kurve. Für einen Kultfilm reicht's vielleicht nicht, aber einen kleinen Klassiker-Status hat sich THE CRAFT mittlerweile redlich verdient, hands down!

© Alex

CONFESSIONS: GESTÄNDNISSE (USA, 2010)




[...]
Die Handlung folgt keiner linearen Struktur ... wie in RASHOMON spult Nakashima immer wieder an den Anfang zurück und erzählt dieselben Schlüsselereignisse aus der Sicht unterschiedlicher Personen und fügt so dem Verbrechen und seinem Nachbeben Geständnis für Geständnis neue Facetten hinzu; manches wird klarer - manches unschärfer und zunehmend grauer - der Zuschauer bleibt nüchterner Beobachter, aufgrund stetem Voice-Over mehr intellektuell als emotional involviert. Auf ein true-life Crime-Drama sollte man sich nicht einstellen - passend zur aalglatten Cinematographie folgen die Charaktere in ihren Aktionen eher stilisierten Mustern, wie man sie aus einem Manga kennt, eine kurze Musical-Sequenz irritiert und verzaubert zugleich, und Dialoge sind von nicht unerheblichem Pathos geprägt. Spannend ist das trotzdem - allerdings versäumt so Nakashima auch ein bißchen die Chance, dem Zuschauer sein geschliffenes Werkzeug richtig schmerzhaft ins Fleisch zu drücken - an CONFESSIONS wird man sich länger erinnern, keine Frage, wenn auch weniger an provokante Sideplots über Mobbing und Mord, als an schillernde Bilder, inflationäre Zeitlupen und den elegischen Soundtrack irgendwo zwischen Bach und Radiohead. Ein audio-visuelles Glanzstück, welches in einer wuchtig bebilderten Epiphanie-Szene kulminiert, wie sie selbst Toshiyaki Toyoda schöner nicht hätte träumen können, und in die Tetsuya Nakashima anscheinend derart verliebt war, daß er sie gleich mehrfach vor unseren Augen abspielen läßt: vorwärts, rückwärts. Und dann noch einmal. [...]


© Alex

THE VETERAN (Großbritannien, 2011)




Wem HARRY BROWN nicht politisch genug, bzw. zu eingleisig war, sollte es mal hiermit versuchen: Desillusionierter Afghanistan-Veteran (Toby Kebbell) soll im Auftrag der Regierung islamistische Terrorzellen in London aufdecken und gerät dabei selbst ins Visier. Die verdrießliche, dreckige Atmosphäre lässt allgemein nicht viel Hoffnung zu, Regisseur Matthew Hope holt aber für seinen kleinen Großstadt-Thriller mit großer Wirkung das beste aus einem kleinen Budget raus, und entlohnt mit einem knalligen Showdown, der noch lange in Erinnerung bleiben wird. Bittere Medizin, die wirkt. Geheim-Tip!

© Alex

PIRATES OF THE CARRIBEAN: ON STRANGER TIDES (USA, 2011)




Na, das war doch mal gar nicht schlecht. Für eine Rehabilitation von Disneys Prestige-Franchise, welches mit dem dritten Teil ganz schön auf Grund gelaufen ist, reicht das zwar nicht, dafür ist das alles mal wieder viel zu lang, Dialoge zu wenig gewitzt, Charaktere werden nicht entwickelt sondern mittels fauler Exposition einfach in die Handlung geworfen, und der Charakter von Jack Sparrow reicht schlicht nicht aus, um einen kompletten Film im Alleingang zu stemmen. Naja, mehr Johnny Depp halt, ihr habt es so gewollt. Die Mädels freut's sicherlich, er mag ja auch das Zugpferd der Reihe sein und meistens macht es Spaß ihm zuzusehen, trotzdem fehlt ihm ein Gegengewicht auf Augenhöhe (der Part, den Orlando Bloom in den vergangen Teilen übernommen hat).
Now back to the good part: reduzierter CGI-Hokuspokus, desweiteren wird endlich wieder eine zielgerichtete Geschichte erzählt, anstatt sich in ermüdenden Dialog-Twists à la AT WORLD'S END zu verheddern, außerdem ist Penelope Cruz ein willkommener Neuzugang mit Feuer im Arsch und hat mir persönlich auch wesentlich besser als Keira Knightley gefallen, die mir immer 'nen bissel blass und fad vorkam. Naja, und dann wären da noch die bissigen Meerjungfrauen, die mit zum Coolsten gehören, was ich jemals über Meerjungfrauen gelernt habe.
So, jetzt aber nicht übermütig werden, sondern am besten gleich hinterher Renny Harlins CUTTHROAT ISLAND anschauen, auf das wir nicht vergessen, wie ein RICHTIGER Piratenfilm auszusehen hat (warum eigentlich wird der nochmal so gehasst?) ...

© Alex

YOUR HIGHNESS (USA, 2011)



- "If you want to fuck her, you'll have to fuck me first."
- "It'll be a pleasure."



Leider nur halb so lustig wie wahrscheinlich beabsichtigt, da der einzige Humor in der Tat aus obszön-anachronistischen Sperma- und Fick-Innuendo resultiert. Echter Wortwitz und amüsanter Slapstick ist dagegen rar gesät. Leidlich unterhaltsam ist das ganze dann aber doch irgendwie, YOUR HIGHNESS ist groß, laut, bunt und blutig, Natalie Portman macht als Fremdkörper eine gute Figur, hat launige Kreaturen-Effekte, und protzt mit all der audio-visuellen Wucht eines Fantasy-Epos. Einziger Wermutstropfen bleibt halt, daß der pubertäre Blindgänger-Humor so einer Geschichte im Wege steht, die eigentlich ein sehr schönes, stimmiges RPG-Szenario abgeben würde, wie man's selten zu sehen bekommt. Ein undankbarer Bastard von einem Film, der einen beständig daran erinnert, wie gut er hätte sein können, wenn er sich restriktiv für ein ernsthaftes Dungeon-Crawler-Genre oder RITTER DER KOKOSNUSS 2.0 entschieden hätte.

© Alex

WALK ALL OVER ME (Kanada, 2007)




So, hier haben wir also eine Crime-Comedy über eine Halbtags-Domina und ihre Freundin (Leelee Sobieski), ein Mauerblümchen, das sich zunehmend wohler in kinky Uniform fühlt, und das einzige Stückchen nackte Haut, was wir zu sehen bekommen, ist ein entblößter Männerarsch; haha, selten so gelacht. Lustig ist hier eigentlich gar nix, die Dialoge köcheln auf Sparflamme, und der Aufhänger mit den Dominas leidet extrem unter dem Stock, den der Drehbuchschreiber im Arsch stecken hatte, als er das Treatment zu Papier brachte: prüde, trostlos und verklemmt, anstatt sexy und over-the-top. Und sonderlich spannend ist der Mittwoch-Abend-Krimi, der da nebenbei herdümpelt, auch nicht.

© Alex