Sunday, July 22, 2012

LITTLE DEATHS (Großbritannien, 2011)




La Petite Mort, so lautet in Frankreich der geläufige Euphemismus für den Orgasmus. Daß sich im Horrorfilm kleiner und großer Tod vortrefflich verstehen und seit jeher faszinierende narrative Symbiosen zeugen, wissen wir nicht erst seit HELLRAISER. Im vorliegenden Film lassen uns drei britische Regisseure an drei kleinen, fiesen Visionen teilhaben. "Sex und Tod" lautet der gemeinsame Nenner. Vorweg eine Warnung: LITTLE DEATHS geht visuell keine Kompromisse ein, wurde spürbar für ein erwachsenes Publikum produziert.
Die erste Episode (HOUSE & HOME von Sean Hogan) arbeitet mit einer spannenden Prämisse, da sie uns lange im Unklaren lässt, welche der beteiligten Fraktionen Hexe, wer Hänsel ist. Am Ende fließt viel Blut, abgesehen davon scheint Hogan nicht recht zu wissen, wie übrige Körperflüssigkeiten schlüssig in die Handlung zu integrieren sind; es bleibt bei oberflächlichem Shock Value, die Auflösung ist erschreckend trivial. MUTANT TOOL läßt etwas Body-Horror in die Gleichung einfließen, so richtig verstanden hat das Konzept aber erst Simon Rumley: BITCH setzt ganz auf psychologischen Gehalt, erzählt von einer aus dem Ruder laufenden S&M-Beziehung. Sexualität und Substanz bedingen einander unmittelbar.
Die grandiose dritte Episode reißt's raus, der Gesamteindruck bleibt schal; eine Vagina Dentata mit abgewetzten Zähnen: zu uneben die Interpretation des Kernthemas, LITTLE DEATHS fehlt eine Rahmenhandlung, ein roter Faden. Wieviel interessanter wäre es gewesen, Filmemacher zu fragen, die sich nicht erst etwas ausdenken müssen? Denen das Thema bereits im Blut liegt? Clive Barker, David Cronenberg, Shion Sono ... ?

© Alex

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