Tuesday, January 31, 2012

DRIVE (USA, 2011)




Hinter Ryan Goslings versteinerter Mimik, welche hin und wieder ein kryptisches Lächeln zulässt, ruht mehr Mensch als die spröde Fassade ahnen ließe. Irgendwo zwischen Steve McQueen, dem TAXI DRIVER und Soziopath kämpft und leidet eine schillernde Persönlichkeit in einem stilsicheren Film Noir im Techno-Gewand, dessen meditative Ruhe immer wieder durch rohe Gewaltspitzen zerfetzt wird. Der exzellente Tonschnitt schreibt es nochmal mit Ausrufezeichen auf die Leinwand: das hier ist nicht bloß Action, hier tötet jede Kugel!
Statt flashigem Automarken-Fetisch zelebriert Regisseur Nicolas Winding Refn den Menschen hinterm Steuer, seinen Bildern ruht Dynamik und Macht inne, ohne daß er dafür die Kamera großartig bewegen muß. Im Drehbuch steht nix Neues, Luc Besson hätte wahrscheinlich mit Statham in der Hauptrolle einen schnöden COLOMBIANA 2 draus gebastelt, in Refns DRIVE glänzt dagegen primär die Form, und selbst die ist in den 80ern stecken geblieben. Das ist nichts Schlechtes, bekanntlich war ja früher eh alles besser.
Größer kann das Jahr 2012 nicht beginnen.

© Alex

Tuesday, January 24, 2012

THE DEVIL'S SWORD (Indonesien, 1984)




Tief unterm Berg herrscht die nymphomane Krokodilskönigin und entsendet regelmäßig ihre Schergen an die Oberfläche, auf daß diese ihr frische jungfräuliche Männer bringen, mit denen sie ihren unersättlichen sexuellen Appetit stillen kann. Das Land braucht einen Helden ...
Psychedelisch ausgestatteter Martial Arts-Fantasy-Trash aus Indonesien, der für jede seiner beknackten Ideen (fliegende Gesteinsbrocken, Laserhände, Krokodilmänner, Enthauptungs-Serien, die Kung Fu-Oma mit dem Wischmopp des Todes) leider auch viel Leerlauf und schlecht getimete Wendungen bereit hält, und selten mal an einem Stück in Fahrt kommt. In der deutschen Fassung kommt der Film überhaupt nicht vom Fleck, da fehlt nämlich alles, was in der Originalfassung noch halbwegs für Laune sorgte (a.k.a. Blut und Babes). Als weitaus rasantere Alternative mit ähnlichem Appeal empfehle ich daher BATTLE WIZARD: DAS BLUT DER ROTHEN PYTHON; der hat zwar weniger nymphomane Königinnen und Bollywood'sche Sex-Orgien, dafür gibt's hier den Zauberer mit ausfahrbaren Hühnerfüßen und deutschen Untertiteln (Rapid Eye Movies ist unser Freund).

© Alex

SHOOT 'EM UP (USA, 2007)



- "My god! Do we really suck, or is this guy really that good?"


Clive Owen und Monica Bellucci wären meine persönliche Traum-Besetzung für den MAX PAYNE-Kinofilm gewesen; hiermit kann ich aber auch ganz gut leben: jede Schießerei hat ihre eigene Überschrift und spezifische Dramaturgie, jedes Action-Setpiece wurde mit bemerkenswerter Konsequenz zuende gedacht: Gun-Porn at it's Best. Owen cool, Bellucci heiß, Paul Giamatti angsteinflößend. Comichafte Übertreibungen und der mitunter an Menschenverachtung grenzende Zynismus sind Geschmackssache, nicht jeder One-Liner zündet, trotzdem steckt hier eine ganze Menge Liebe zu den richtigen Filmen drinnen. Ein Film für Killerspieler, die bei jedem Bullseye "Boom! Headshot!" rufen, alle anderen freuen sich über Italo-Western-Referenzen und visuelle Zitate aus dem wilden 90er-Jahre Hong Kong-Kino. Irgendwie doch ein Geschenk.

© Alex

Monday, January 23, 2012

BONNIE AND CLYDE (USA, 1967)




Die filmhistorische Bedeutung ist mir bewusst, sicherlich hat die melancholische Gangster-Romantik damals einen Nerv getroffen. Die Dramaturgie ist holperig, insbesondere der Beginn, wenn sich Beatty und Dunaway zum ersten Mal begegnen, wirkt ungeschickt und überhastet, andererseits wohnt dem stilisierten Auftakt wiederum ein gewisser märchenhafter Charme inne: schließlich will man keine dröge Biographie abfilmen, sondern Geschichte über zwei Legenden schreiben, welche das Schicksal zusammengeführt hat. And yet ...
Trotz superber Cinematographie hat mich BONNIE AND CLYDE weitgehend kalt gelassen: zu unnahbar die Charaktere, zu fragmentarisch die Stationen ihrer Reise. Das Ende kennt man, gesehen habe ich es gerade zum ersten Mal, und auch hier bin ich Opfer überhöhter Erwartungen geworden; mehr Pathos, anyone? Für Faye Dunaway indes hätte auch ich ein paar Kugeln eingesteckt; die war zum Verrecken toll - die dt. Synchro weniger ... die ist 'ne Vergewaltigung. Konnte die Anwesenden aber zum Glück überreden, auf O-Ton (mit Untertiteln) umzuschalten.
Ach ja, eines muß ich noch loswerden (sonst kann ich nicht schlafen): Für das non-stop hysterisch kreischende Nervenbündel hat Estelle Parsons jetzt nicht wirklich den Oscar bekommen, oder?

© Alex

THUNDERBOLT (Hong Kong, 1973)




Angela Mao mit Schwert ist wahrlich eine Verschwendung: in BROKEN OATH, der Hong Kong-Variante von LADY SNOWBLOODY, bestreitet sie knapp siebzig Prozent des Films mit Fußtechniken, darunter einige der schönsten, höchsten und elegantesten Tritte, die ich jemals in einem Martial Arts-Film gesehen habe.
THUNDERBOLT ist ein Golden Harvest-Period-Flick nach Schema F: Bruder und Schwester müssen sich verbünden um gemeinsam gegen einen stärkeren Feind zu bestehen. Struktur wie gehabt: Exposition, Niederlage, Katharsis, Training und Showdown. Gekämpft wird primär mit Schwertern, das sieht meistens schick aus, leidet aber mitunter am abrupten Editing, welches allerhand übernatürlicher Schnick-Schnack in die Choreographien einzubetten versucht. Kriegt ansonsten die Zeit gut rum, hab' mich nicht gelangweilt.

© Alex

Sunday, January 22, 2012

LOVE EXPOSURE (Japan, 2008)




Wer hat eigentlich das Gerücht aufgebracht, LOVE EXPOSURE wäre Teil einer "Hass-Trilogie" (die jetzt zusammen mit COLD FISH und GUILTY OF ROMANCE ihren Abschluss erfahren hätte)? Selbstverständlich ist Shion Sono kein Menschenfreund per se, bzw. in etwa genausoviel Humanist wie Takashi Ishii Feminist (bevor jetzt jemand aufschreit: der Vergleich war mitnichten als Oxymoron gedacht, soll lediglich verdeutlichen, daß das Wort durchaus mehr Facetten zulässt, als man mit ein paar Schlagworten im Mini-Duden für die Hosentasche festhalten kann) ... wenn es sowas wie eine Überschrift zu Sonos Output gibt, so wäre es das Thema "Familie"; insbsondere für kaputte, dysfunktionale Strukturen interessiert sich das enfant terrible des neuen japanischen Kinos, Kompromisse kennt er keine, Shion Sonos Filme beschreiten den ganzen Weg: Infektion, Wunden und (manchmal auch) Heilung - LOVE EXPOSURE ist der Film seines Œuvres, der in letzter Konsequenz am meisten Hoffnung zulässt: ein Film über die Liebe; die platonische, die pervertierte, die sakrale und die körperliche. Gott ist Liebe ist Sex. In LOVE EXPOSURE werden sämtliche Definitionen zu Adern eines einzigen organisch pulsierenden Geflechts; Katholizismus ist Scheiße, Christus ist cool - zumindest fast so cool wie Kurt Kobain.
Das Erlebnis von LOVE EXPOSURE in schnöden Worten festzuhalten, ist mir nach wie vor unmöglich. Schon öfters habe ich es versucht, hier scheitere ich schon wieder: 4 Stunden, die man sein Leben lang nicht mehr vergessen wird, 4 Stunden, nach denen man seinen Begriff von Kino grundlegend überarbeiten muß, 4 kurzweilige Stunden voller Twists and Turns, Beethoven und Bibel, Pop und Porno, Soap und Sünde, Epiphanien und Erektionen.
Der ultimative Film.

© Alex

SWEET KARMA (Kanada, 2009)




[...]
SWEET KARMA ist ein kleiner, sexy Reißer, der weiß woher er kommt und was er seinem Klientel schuldig ist. Seine besten Momenten erinnern ans schmuddelige Bahnhofskino-Flair, welches 1974 dem Schweden-Export THRILLER: THEY CALL HER ONE-EYE zu fragwürdigem Ruhm verholfen, und Menschen wie Christina Lindberg in glorreichen Verruf gebracht hat - in seinen schlechtesten liefert er immerhin noch das Mindestmaß an dubiosem Entertainment, welches sich alle übrigen tausend Filme seiner Gattung auf die Fahne geschrieben haben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ob das reicht? Einer kleinen Gruppe anspruchsloser, respektive bedingungsloser Filmliebhaber sicherlich. Für alle anderen hat in ein paar Jahren Luc Besson die schillernde PG-13-Version fertig - ohne Playmate, dafür mit doppelt hohem Bodycount und französischem Hip-Hop im Abspann. [...]


© Alex

Tuesday, January 17, 2012

SUPER 8 (USA, 2011)




Puttin' the "Holy" back into "Hollywood" ...
J. J. Abrams wandelt auf Spielbergs Spuren, präsentiert sein bislang wohl unselbständigstes Werk, welches aber zugleich sein Opus Magnum werden sollte (so far). Sogar die elende Wackelkamera lässt er im Schrank: von vorne bis hinten pure Kinomagie, die eine solch innige und aufrichtige Liebe zum Medium atmet, daß ich hier und heute zutiefst bereue, mir eines der am brilliant strahlendsten Highlights 2011 auf der großen Leinwand gesteckt zu haben. Die Konsequenz, mit der Abrams seinen Money Shot derart lange dem Zuschauer vorenthält, gebürt bei der leider mittlerweile obligaten ADHD-Rezeption des heutigen Popcorn-Publikums höchste Anerkennung, ebenso den kindlichen Hauptdarstellern, denen das Skript einige bemerkenswert komplexe Emotionen abverlangt. Seinen ganz eigenen, charmanten Retro-Humor legt SUPER 8 auch vor, allerdings nur solange bis es ernst wird - seine Thrill-Sequenzen zieht der Film wiederum geradlinig, überraschend kompromißlos und ohne dekonstruktives Augenzwinkern durch. Insert Ovation << here >>.
P.S.: Obendrein ein exquisit bebilderter Lens Flare-Porno. Das ist okay. Ich mag Lens Flares.

© Alex

NEVER LET ME GO (Großbritannien/USA, 2010)




Ach, könnte ich doch den Finger drauf setzen, was mir bei dieser Verfilmung von Kazuo Ishiguros Roman, der mich seiner Zeit sehr bewegte, fehlte ... handwerklich makelloses, exzellent gespieltes Depri-Kino mit hohem Anspruch und dem richtigen Maß an Zurückhaltung inszeniert, und am Ende doch seltsam leer ... vielleicht weil eine der wichtigsten, eindringlichsten Stationen des Buches, die Kindheit in Hailsham, nur als kleine Fußnote vorkommt; Kazuo Ishiguros NEVER LET ME GO war keine alleinige Warnung vor der verstörende Utopie, die uns (vielleicht nicht morgen aber irgendwann) mal einholen wird, sondern in erster Linie eine Geschichte über die Menschen darin; ein fein gewebtes Coming of Age-Drama, dann später auch eine Studie darüber, was viele von uns dazu bewegt, trotzdem weiterleben zu wollen. So viele Ereignisse, welche spätere Entscheidungen der Charaktere beeinflussen, hatten hier in Hailsham ihren Ursprung: kleine zwischenmenschliche Gesten, prägende Begegnungen, kindliche Wahrnehmung von erwachsenen Verhaltensmustern, die später erst, mit geistiger Reife und Erfahrung, ihr Pay-Off erhielten - all das fehlte. Was bleibt sind einige wunderschöne Bilder, ein paar losgelöste, gelungene emotionale Momente, die einen regnerischen Nachmittag nasser, welke Blätter gelber, den Sonnenuntergang röter wirken lassen ...

© Alex

FINAL DESTINATION 5 (USA, 2011)




Ähnlich wie die RESIDENT EVIL-Reihe hat sich das FINAL DESTINATION-Franchise zu einer soliden Hausnummer etabliert, die man als Fan gefahrlos aufsuchen kann, und irgendwie immer genau das vorfindet, was man erwartet. Die Abgänge sind auch im fünften Teil so sadistisch wie eh und je, das Skript spielt geschickt mit Erwartungen, wann und wie Gevatter Tod wohl zuschlagen mag. Der ultimative Schadenfreude-Film. Die Brücken-Szene zu Beginn spielt übrigens tricktechnisch bei den ganz Großen mit, und gehört zum Spektakulärsten, was die Reihe bislang als Kick-Off bieten konnte.

© Alex

THE INTERNATIONAL (USA/Deutschland/Großbritannien, 2009)




Der Einstieg in Tom Tykwers international gefärbten Thriller gestaltet sich hakelig, da man hier Charakteren begegnet, welche sich weniger durch Vorgeschichte und ihr soziales Umfeld, als durch Taten definieren, von denen man zu Beginn eben noch nichts gesehen hat. Was folgt, ist ein höllisch spannender Wirtschafts-Krimi nah am Nerv der Zeit, der seine Protagonisten (Naomi Watts und Clive Owen) von mafiöser Intrige zu politischem Attentat quer über den Globus hetzt und den Zuschauer dabei niemals für dumm verkauft, geschweige denn, an die Hand nimmt. Die unterkühlte, unprätentiöse Cinematographie ist dabei mindestens so sexy wie sein Hauptdarsteller, der noch mit verkaterter Visage und nachlässig geknöpftem Anzug selbst eingefleischte Heteros ins Schwitzen bringt; das schafft sonst nur George Clooney. Der Höhepunkt, ein furioser Shoot-Out im Guggenheim-Museum, braust dann mit soviel Druck und Virtuosität über die Leinwand wie zuletzt in den 90ern in einem Film aus Hong Kong; der Titel fällt mir grad nicht ein.

© Alex

Sunday, January 15, 2012

HOW TO TAME YOUR DRAGON (USA, 2010)




Knuddeliges, rasant erzähltes Digi-Abenteuer, dessen Charaktere einem schnell ans Herz gewachsen sind, außerdem den Kids die ein oder andere wertvolle Lebenshilfe zum sozialen Miteinander vermittelt, ohne deswegen gleich aus der Erzähl-Rolle zu fallen. Am Ende kommt's dann wie es kommen mußte: die Geschichte entlarvt sich als Parabel über die seit Jahrhunderten andauernde Domestizierung der Tierwelt durch den Menschen - etwas frecher und dramatischer wäre durchaus im Rahmen meiner Erwartung gewesen; das sollte jetzt aber nicht als gewichtiger Kritikpunkt mißverstanden werden, gegen die erzählerische Brillianz eines HOW TO TRAIN YOUR DRAGON kackt so seelenloser, ganz auf McDonalds-Gimmick getrimmter Pinguin-Ranz (HAPPY FEET, I'm looking at you) ganz schön ab. Größter Pluspunkt: die Drachen sprechen nicht!

© Alex

SOURCE CODE (USA/Frankreich, 2011)




Murmeltier-Thriller, der spannend beginnt und zwischendurch immer mal wieder den großen Mindfuck-Twist anteasert, der alle Erwartungen auf den Kopf stellen wird. Leider kommt's dazu nicht, und sobald der Bombenleger einmal entlarvt wurde, ist die Luft raus. Was dann noch folgt ist ein halbstündiger Epilog, der nach multiplen Test-Screenings und administrativer Einmische regelrecht stinkt: da soll man als Zuschauer auf einmal Empathien für austauschbare Staffage-Charaktere entwickeln, kriegt ekligen Militär-Pathos in den Hals gedrückt, die Option auf eigenständiges Denken wird komplett deaktiviert, und Dialoge bestehen nur noch aus "Alles wird Gut"-Synonymen. Glattgebügelter Popcorn-Ranz, der sich schön nach allen Seiten hin absichert ... könnte ja jemand einen Logikfehler oder eine alternative Deutung der Geschehnisse ausmachen, Gott bewahre!

© Alex

Thursday, January 12, 2012

THE BROOD (Kanada, 1979)

>


Irgendwie scheint's bei zahlreichen Verfassern von Inhaltsangaben zu THE BROOD mittlerweile zum guten Ton zu gehören, Details aus dem letzten Drittel zu spoilern. Das ist verdammt schade, ja, ein Verbrechen. Cronenbergs Film wirkt am besten, je weniger man drüber weiß. Hatte das Glück, den Film im Rahmen einer Retrospektive zu gucken, da war's mir egal, um was es geht. Irgendwas mit bösen Kindern. Oder so. Von Cronenberg.
Der spielt sein Blatt langsam von unten nach oben aus, lässt sich Zeit, eine bedrohliche Atmosphäre aufzubauen. Den Zuschauer wiegt er in Unsicherheit; alles ist möglich. Und selbst wenn die Karten auf dem Tisch liegen, Kausales und Relationen allmählich durchschimmern, bleibt die Spannung, wie sich wohl schlußendlich alles zusammenfügen mag. Metaphysisch? Rational? Und der Zuschauer vergisst darob fast die dritte, die ideale Option: Das Cronenberg-Ende!
Und das hat's dann in sich.
Body-Horror par excellence.

© Alex

THE FRENCH CONNECTION: BRENNPUNKT BROOKLYN (USA, 1971)




Noch so ein Film, den außer mir bestimmt schon jeder auf diesem Planeten gesehen hat. Höchste Zeit also, diese Lücke zu schließen ...
Stilbildender Großstadt-Thriller, um nicht zu sagen: DER ultimative Vorzeige-Großstadt-Thriller überhaupt. Statt einer komplexen Handlung setzt William Friedkin ganz auf Spannung, nutzt urbane Architektur und die Connectivity des alltäglichen Lebens (Straßen, Gehwege, öffentliche Verkehrsmittel) für hervorragend komponierte Thrill- und Verfolgungs-Sequenzen.
Was für mich nicht funktioniert hat, ist die letzte Szene; mir ist klar, daß Friedkin hier zugleich die Geschichte über "Popeye" Doyles (Gene Hackman) Besessenheit zu einen schlüssigen Ende bringt, dafür hat er mir jedoch zuwenig über sein Innenleben erzählt, bzw. die Charakterentwicklung zulange auf Eis gelegt, als daß ich hier dem Geschehen noch die gleiche Aufmerksamkeit geschenkt hätte, wie dem adrenalingeschwängerten Katz-und-Maus-Spiel zuvor.
Ansonsten makellos.

© Alex

Wednesday, January 11, 2012

SHIT-LIST: DAS FRECHSTE AUS 2011

AND SOON THE DARKNESS (USA/Argentinien/Frankreich, 2010)
Das größte, was dieses einfallslose Remake vollbracht hat, ist unsere Aufmerksamkeit auf das Original zu lenken: ein kleiner, feiner, ungemein atmosphärisch komponierter Thriller. Und die Neuverfilmung? Bloß ein profilloser Fast-Food-Krimi, der seine wenigen guten Ansätze mit lauten Slasher-Elementen zukleistert; ein schales Zugeständnis an eine ADHD-gesteuerte Zielgruppe, die ohnehin lieber einen anderen Film gesehen hätten.



JONAH HEX (USA, 2010)
Die lange und traurige Produktionsgeschichte von JONAH HEX ist ein Paradebeispiel dafür, wie man das opportunistisch aufgezäumte PG-13-Pferd samt Sattel, Sporen und Scheiße an den Hufen vom Galopp über den biologisch gedüngten Acker ins Grab reitet. Nichtssagende Dutzendware, die von sämtlichen Ecken und Kanten befreit, dahindümpelt, und vorbei ist bevor sie angefangen hat. Was hätte den Film gerettet? Mehr Steampunk, mehr enggeschnürte Korsetts, mehr Malkovich außer Rand und Band. Und einen heißen Feger wie Megan Fox derart undankbar zu verheizen, dafür braucht es schon Talent.



I SPIT ON YOUR GRAVE (USA, 2010)
Meir Zarchis Original aus den 70ern war ein räudiges, destruktives Stück Exploitation, wie man es selten zu sehen bekommt. Das Remake hatte die Chance mehr zu sein ... ein Thriller, ein Drama, eine Charakterstudie, whatever. Leider opfert Steven R. Monroe nach einer verdammt intensiv gespielten ersten Hälfte die starke Prämisse einem überdrehten Folter-Comic mit abstrus konstruierten Verstümmelungs-Mechanismen à la SAW und vergisst darob gänzlich das Leid seiner Hauptfigur (furchtlose Performance von Sarah Butler). Leider ist auch das Gemantsche nur halb so lustig wie so mancher Lacher beim Fantasy Filmfest-Screening implizierte. Eigentlich nur traurig. Und ärgerlich. Verschenkt.



GANTZ (Japan, 2010)
Inszenatorische Unzulänglichkeiten mag es schon in der gezeichneten Vorlage gegeben haben, so richtig häßlich treten die aber erst ohne schwarze Umrandungen zutage: schnuckelige Jungs und Mädels rennen zweieinhalb Stunden vor Monstern davon ohne ihre Mega-Wummen abzufeuern - warum auch … ? Die töten nämlich mit einem Schuß, und es gäbe keinen Grund mehr, die Story in zwei Teile aufzusplitten, um so gleich zweimal bei den Anime-Nerds abzusahnen. Die werden in der glattgebügelten Blockbuster-Konvertierung allerdings die misanthropisch angehauchte Exploitation des Mangas vermissen. Schade, dabei hätte die Idee durchaus legitimes Seifenoper-Potential.



TRANSFORMERS 3 (USA, 2011)
"Drück mir den Würfel in die Brust" lautete der prägnanteste, nur leidlich intelligente Satz des ersten Teils. Wie sieht also ein Film aus, der sich diese Worte zu Herzen genommen, und drumherum einen kompletten Handlungsrahmen auf demselben Niveau gestrickt hat ... ? 90 Minuten willkürlich zusammengewürfelter Bullshit, bei dem keine Szene auf der vorhergehenden aufbaut, sondern jedesmal von Neuem mit einem Establishing Shot beginnt, gefolgt von 45 Minuten chaotischem Dauergetöse, ungeführt, bar jedweder Choreographie und Megan Fox; Hauptsache laut und in fucking 3-D - drückt euch den Würfel in den Arsch!


© Alex

HIT-LIST: DAS BESTE AUS 2011

SECUESTRADOS: KIDNAPPED (Spanien/Frankreich, 2010)
In 12 marternden Einstellungen dokumentiert Vivas den verzweifelten Überlebenskampf einer Familie in den Händen einer Einbrecher-Gang. Auf dem Papier nicht gerade ingeniös, aber formal eine Offenbarung: selbst wenn Vivas hier und da einen hektischen Moment für einen versteckten Schnitt in Hitchcock-Manier genutzt haben sollte, täte dies der unmittelbaren Wirkung seines drastischen Home-Invasion-Thrillers keinen Abbruch. Rücksichtsloses Echtzeit-Erfahrungs-Kino, daß einen schluckt, durchwalkt und wieder auskotzt.



WASTED ON THE YOUNG (Australien, 2010)
Als ein Teenager erfährt, daß Klassenkameraden seiner besten Freundin auf einer Party K.O.-Tropfen verabreicht und sie vergewaltigt haben, brennen bei ihm die Sicherungen durch ... Ben C. Lucas' stylisher Thriller klammert die Erwachsenenwelt aus - spannendes Stilmittel, welches den Kids Freiraum lässt, Konflikte nach eigenem moralischen Gutdünken zu lösen oder wahlweise eskalieren zu lassen. Der Alltag an einer Elite-Highschool, wo jeder Geld, ein I-Pad und einen Facebook-Account hat, aber nur die wenigsten echte Freunde, entwickelt so seine ganze eigene Dynamik. Macht ist die Währung; entweder man herrscht, dient oder passt sich an … Rebellen geraten unter die Räder. Bilder so kühl und glatt wie eine Hochhauswand aus Stahl und Glas, innovativer Schnitt und jede Menge talentierter Jungstars machen WASTED ON THE YOUNG zu meinem persönlichen Geheimtip 2011.



BLACK SWAN (USA, 2010)
Dies ist der Film, den wir uns alle von Dario Argento gewünscht haben: ein fiebriger Alptraum, in dem sich Wahn, Paranoia und Tchaikovsky im Unterbewußtsein von Natalie Portman eingenistet haben und nun von innen heraus ihre Seele in ein Puzzle zerlegen. Wohin das alles führt, ist unschwer zu erraten, aber der Weg dorthin ist gespickt mit psycho-sexuellen Spitzen und knalligen Schocks. Ein lupenreiner Giallo, so unlogisch wie unwiderstehlich.



THE GUARD: EIN IRE SIEHT SCHWARZ (Irland, 2011)
Komödien, die ich 2011 im Kino gesehen habe, kann ich an der verletzten Hand abzählen ... darunter immerhin die Beste - so jedenfalls versicherte man mir: THE GUARD gehört zu jenen tollen Filmen, die Humor durch ihre Charaktere definieren, anstatt den Plot mit Witzen zu verkrüppeln. Das irische Hinterland und seine einzigartigen Bewohnern, jeder mit seiner persönlichen Macke, ist ein dankbares Setting für einen durchweg glaubwürdig gespielten Krimi, der erst in seinen melancholischen Momenten so richtig aufblüht. Wer BRÜGGE SEHEN... UND STERBEN? zu seinen Lieblingsfilmen zählt, sollte sich diese stimmungsmäßig ähnlich gepolte Perle keinesfalls entgehen lassen.



CONFESSIONS: GESTÄNDNISSE (Japan, 2010)
Tetsuya Nakashima bleibt seinem plakativen Live-Action-Anime-Stil treu, komponiert aber eine Oktave tiefer: sein exquisit bebildertes Highschool-Drama könnte auch als Videoclip zu Radioheads "Last Flower" durchgehen, wäre da nicht der verschachtelte Plot über die Rache eine Lehrerin, deren Tochter von zwei ihrer Schüler getötet wurde. So einen Film - so kalt, so trostlos, so wunderschön - wünsche ich mir von Tim Burton.



A NIGHT IN NUDE: SALVATION (Japan, 2010)
Takashi Ishii is back ... so richtig weg war er ja nie, nur hat man von ihm schon länger keinen Film mehr gesehen, wo sich Sex und Dialoge in etwa die Waage hielten ... sein kinky Rotlicht-Thriller hat endlich wieder alles was man als Fan von einem "echten" Ishii erwartet: starke Frauen, wunderschöne kalte Bilder, mehr Noir-Klischees als eine "Max Payne"-Cut Sequence, Fetisch und Sleaze galore, und hier und da eine Prise unfreiwillige Komik. Danke, Nippon-Connection!



SUCKER PUNCH (USA, 2011)
Snyder scheißt auf Erzählkino und wählt den kleinsten gemeinsamen Nenner als Aufhänger: Bilder! Ein bißchen Anime, ein bißchen Steampunk, ein bißchen ALICE IN WONDERLAND meets SOPHIES WELT, und (leider erst im Director's Cut) obendrein sogar eine Musical-Nummer. Ein mutiger Versuch, Kino neu zu erfinden - leider gefloppt ... die breite Masse war noch nicht bereit für Zack Snyders exzentrische Pop-Vision.



COLD FISH (Japan, 2010)
Mein allerliebster Menschenfeind dreht derzeit einen Knaller nach dem anderen. Filme, die man abscheulich, pervers, wirr und irritierend finden darf, aber vergessen wird man sie nie wieder. In COLD FISH liegen galliges Gelächter und nihilistische Schocks so dicht beieinander, daß man ob dem Versuch, beide voneinander zu trennen, schier wahnsinnig werden kann; ein bißchen wie der Hauptdarsteller: ein einfacher Geschäftsmann, der zum Komplizen eines Serienkillers wird, und dabei ein paar dunkle Flecken auf seiner Seele entdeckt, die alsbald auch auf seine Familie abfärben.



THE WOMAN (USA 2011)
Was kochte hier die Internet-Gerüchteküche: von handfesten Skandalen auf dem Sundance-Festival war zu lesen, hässliche Worte wie "Misogyn", "Ketchum" und "Torture Porn" drehten die Runde, und am Ende? Alles halb so wild. Den schmierigen Negativ-Hype hätte THE WOMAN jedenfalls nicht gebraucht, das Endergebnis trägt zum Glück mehr die Handschrift von Lucky McKee als Jack Ketchum, und ist, drücken wir's mal vorsichtig aus, einer der intensivsten Horror-Thriller der letzten Jahre. Nicht etwa, weil die Kamera besonders lange draufhält, sondern weil der Film auf weiteren Ebenen funktioniert: zum Beispiel als satirisches Porträt von mittelständischem Spießertum, dabei (Charakteren zum Trotz, bei denen man einfach schlucken muß, daß sie bereits zu Beginn einen Großteil ihrer Menschlichkeit abgelegt haben) in letzter Konsequenz sogar mit feministischer Note abgeschmeckt.



WER IST HANNA? (USA/Großbritannien/Deutschland 2011)
Wenn ich an Actionfilme 2011 denke, fallen mir zwei großartige Sequenzen ein, welche mit formaler Perfektion für Atemaussetzer sorgten: zum einen die Szene im koreanischen THE MAN FROM NOWHERE wenn der Kameramann dem Helden ohne erkennbaren Schnitt durch eine zerberstende Fensterscheibe hinterher auf die Straße springt, die andere beginnt als Eric Bana in Joe Wrights WER IST HANNA? in Berlin aus dem Bus steigt, in den folgenden 5 Minuten von Attentätern hinab in eine U-Bahn-Station verfolgt wird, und endet mit einer beeindruckend realistisch choreographierten Kampfszene. Alles in einem Take. Wenn dann noch der Rest geschickt sämtliche Klischees umschifft und ein paar Charaktere vorstellt, deren Schicksal uns nicht egal ist, haben wir alle Zutaten für den besten Film des Jahres zusammen.


© Alex

Monday, January 9, 2012

BLOODRAYNE: THE THIRD REICH (USA/Kanada/Deutschland, 2010)




Uwe macht's vor: mit einer dämonischen Kampflesbe, die Nazi-Offiziere schnetzelt, füllt man natürlich keinen kompletten Film, deshalb dauert BLOORDRAYNE: THE THIRD REICH auch nur knappe 70 Minuten. Bis das Schwert gezogen wird, ist dann schon eine gefühlte halbe Stunde mit Credits ins Land gezogen, dannach gibt's überraschend viel Handgemachtes auf die Fresse, und echte Explosionen kann man beispielsweise im neuesten Asylum-Knaller an der amputierten Hand abzählen. Für einen richtigen Showdown hat das Geld dann nicht mehr gereicht, der ist nach 10 Sekunden vorbei; dafür gibt's ein paar Hupen im Salon Kitty. Also bitte keinen weiteren BLOODRAYNE-Film mehr, aber wenn ihr's euch absolut nicht verkneifen könnt, dann bitte so!
Danke.

© Alex

Sunday, January 8, 2012

SEX AND ZEN: EXTREME ECSTASY (Hong Kong, 2011)




[...]
1991, im ersten SEX AND ZEN, machte sich Lawrence Ng dank nimmermüder Penis-Prothese zum ersten Mal die Damenwelt untertan, der zweite präsentierte 1996 den Keuschheitsgürtel mit rotierenden Klingen, Tai-Chi zur Stärkung der Hoden, Shu Qi (noch lange bevor sie aus Jason Stathams Kofferraum krabbelte) als transsexuellem Unterweltgott, und der dritte Teil (unter der Regie von Wong Jing) bescherte uns Nipple-Torture und Fuck-Fu. EXTREME ECSTASY hat ein bisschen von allem: Was zum Lachen, was zum Fremdschämen, was zum Staunen, jede Menge affektierte Kamasutra-Akrobatik (sowohl für Romantiker, als auch die S&M-Fraktion), und den ein oder anderen Tiefschlag dahin, wo's wirklich weh tut. Wird nämlich erst einmal das fiese Inquisitions-Werkzeug aufgefahren und aus der schlüpfrigen Fantasy-Romanze eine CHINESE TORTURE CHAMBER STORY, dürfte so manchem, der angesichts unfreiwilliger Komik und üppiger Schauwerte gerade ein "So schlimm isses ja gar nicht" auf den Lippen hatte, reichlich mulmig zumute werden; EXTREME ECSTASY gibt sich nur wenig zimperlicher als seine Vorbilder aus der goldenen Ära des Hong Kong-Kinos und bleibt damit seinem Genre-Versprechen treu: Exploitation gibt es nur als Komplett-Menü, da kann man keinen Gang auslassen oder nur die leckere Kruste abknabbern und die undefinierbare Füllung liegen lassen - wer Angst hat, oder nur das isst, was Mami gekocht hat, bleibt besser ganz draußen. [...]


© Alex

Saturday, January 7, 2012

DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL (Tschechoslowakei/Deutschland, 1973)



- "Wollen Sie mir nicht endlich verraten wer Sie sind?"
- "Warum wollen Sie das wissen?"
- "Weil ich mir soeben meine Braut ausgesucht habe und nicht weiß, wer sie ist."
- "Und was haben Sie dabei vergessen?"
- "Was denn?"
- "Die Braut zu fragen, ob sie auch möchte."



Ein kleiner Schock war's für mich schon, angesichts der jüngst restaurierten DVD-Fassung, zu erleben, was da von den öffentlich rechtlichen TV-Anstalten alljährlich für ein häßliches Stück Zelluloid in ein aschebeschmutztes 4:3 Gewand gequetscht, und durch die deutschen Weihnachtszimmer geknechtet wird. Das ist ja ein richtiger Film! So mit Cinematographie, und anamorph, und so!
Bozena Nemcova hat der Grimm'schen Vorlage einen netten feministischen Twist verpasst: Dieses Aschenputtel ist kein Heimchen am Herd, sondern ihres eigenen Glückes Schmied: Sie hat eine freches Mundwerk, reitet wie ein Junge und schießt sich ihren Prinzen selbst. Toller Soundtrack, enthusiastische Schauspieler, atmosphärisches Setting (Winterlandschaft), ein feiner Humor - wahrscheinlich die schönste Märchenverfilmung, die's je gegeben hat. Da wird's mir gleich viel wärmer um den Stein in der Brust.

© Alex