Sunday, April 22, 2012

THE CHOSEN ONE: LEGEND OF THE RAVEN (USA, 1998)



- "Got any milk?"


Carmen Electra kippt sich beim Poppen Milch über ihren Luxuskörper, und jemand hinter der Kamera muß gedacht haben: "Hey, wenn wir das auf 90 Minuten strecken, haben wir fast einen Film." Und wenn bei TROMA man eines gut kann, dann ist das "fast einen Film zu drehen".
Leider ist Milch teuer, deswegen muß die Carmen außerdem noch ein paar zurückgebliebene Rednecks, die in ihrer Waldhütte Crystal Meth basteln, vermöbeln, eine alberne Metallmaske tragen, ein bißchen Aerobic machen, von Winnetou taufen lassen, und am Ende einer Silikon-Domina in den Arsch treten. Das nennt man dann "Rettung der Welt", oder so ähnlich.
TROMA hat für dieses Meisterwerk keine Kosten gescheut: für Carmen Electras superteures Method-Acting wurde eigens in jeder Szene eine Stripper-Pole aufgestellt, welche dann später digital entfernt wurde, und was dem Film an inszenatorischer Finesse abgeht, wiegt er in Silikon auf; irgendwie sieht hier nämlich jeder aus wie Carmen Electra. Damit einem bei den Dialogen nicht spontan ein Aneurysma platzt, empfehle ich alkoholische Getränke in rauhen Mengen. Dann ist auch sowas wie THE CHOSEN ONE wieder fast genießbar. Wir jedenfalls hatten unseren Spaß mit dem Teil, nur bitte hinterher nicht enttäuscht sein, wenn weitaus mehr Milch als Blut fließt.
© Alex

ORGAZMO (USA/Japan, 1997)



- "Excuse me, could you tell me what movie this is?"
- "What movie this is? Where have you been, under a rock?"
- "No, I'm from Utah."
- "Oh. Sorry."


Notiz an Kevin Smith: So macht man eine Komödie über Porno; nur über Sex reden und ab und zu Brüste in die Kamera halten mag vielleicht in manchen Bundesstaaten der USA als Anarchie durchgehen, in allen anderen entlarvt einen das lediglich als Klemmie. In Trey Parkers ORGAZMO wird ein Mormone Pornostar um die fehlende Kohle für eine Hochzeit im Tempel mit seiner Liebsten flüssig zu machen, und der Teufel soll mich holen, wenn das verdammt nochmal nicht der schweinelustigste Film ist, den ich jemals sah (hab irgendwann aufgehört zu zählen wie oft).
Trey Parker zieht seine Superhelden-Posse mit dem notwendigen Pathos und Ernst durch, bewahrt die Integrität seiner Figuren und bleibt selbst dann, wenn er blasphemisch wird, auf krude Weise charmant (es sei denn, man kommt aus Utah). Pubertär? Selbstverständlich; allerdings mindestens ebenso subversiv: die Satire trifft einmal zu oft ins Blau-Weiß-Rote um solche Momente lediglich als humoristischen Kollateral-Schaden abzutun: keine lieblos hingerotzte Ejaculatia Praecox, nein, ORGAZMO ist ausgesprochen sorgfältig gefilmter Trash mit dem Herz in der Hose und den Eiern am rechten Fleck. Gags sind so dicht gesät, daß man mit dem Lachen eines einzelnen Zuschauers ein Band für eine komplette Sitcom-Staffel vertonen könnte, und am Ende gibt's sogar eine coole Botschaft zum auf dem Heimweg darüber meditieren: Auch wer fickt, kommt in den Himmel! Gut zu wissen. Am Start ist fast die komplette Belegschaft von CANNIBAL: THE MUSICAL, plus ein paar coole Gäste: Ron Jeremy, Troma-Executive Lloyd Kaufman als Urologe, sowie eine ganze Palette echter Sternchen (mit falschen Körperteilen) aus dem Gewerbe selbst.
Jesus and I approve.

© Alex

Saturday, April 21, 2012

INSEL DER NEUEN MONSTER (Italien, 1979)




International besetztes Italo-Abenteuer, das den Hammer-Appeal gut verstanden hat, und recht offensichtlich von DR. MOREAU und Jules Verne inspiriert wurde: eine Handvoll schiffbrüchiger Seeleute wird ans Ufer einer Südsee-Insel gespült und macht alsbald Bekanntschaft mit allerlei tödlichen Fallen, einem Voodoo-Kult und humanoiden Lurchmonstern, die von Bond-Babe Barbara Bach gefüttert werden. Mal von der Frage abgesehen, ob man mit soviel Schaumstoff am Körper tatsächlich tauchen kann (die Monster, nicht Babsie!), darf man INSEL DER NEUEN MONSTER eigentlich nicht viel vorwerfen, abgesehen davon, daß er ziemlich passgenau in die ausgetretenen Fußabdrücke seiner Genre-Komplizen stapft und selten was Neues wagt. Für Kino-Nostalgiker einen Blick wert.

© Alex

Wednesday, April 18, 2012

MEAN GIRLS (USA/Canada, 2004)



- "I'm kinda psychic. I have a fifth sense."
- "What do you mean?"
- "It's like I have ESPN or something. My breasts can always tell when it's going to rain."



Zicken-Terror deLuxe: Highschool-Gören machen sich gegenseitig das Leben schwer (natürlich immer schön hintenrum), und der Zuschauer erfreut sich an erstaunlich peppigen Dialogen. Lindsay Lohan passt da rein wie der Faust aufs Gretchen, bringt's hier und da sogar auf Augenhöhe mit Emma Stone; Amanda Seyfried als hohle Plastiknuss ebenfalls ein Hochgenuss. Leider, leider, leider nimmt sich das Skript gegen Ende viel zu wichtig, indem es einen gut gemeinten, aber völlig unerwünschten Beitrag zur Völkerverständigung leistet, und so zur austauschbaren Schmonzette inklusive Friede, Freude, Eierkuchen unterm versöhnlichen Glanz der Prom Night-Diskokugel degeneriert; ein paar halbherzige Versuche, an den bösen Humor von zuvor anzuknöpfen, bleiben erfolglos; den MEAN GIRLS wurden bereits die Schneidezähne gezogen. Und wenn ein hervorragender Film auf den letzten Metern scheitert, stinkt das weitaus mehr als ein 90-Minuten-Bad in Scheiße.
So richtig böse kann ich dem Film aber trotzdem nicht sein; vielleicht sollte ja ursprünglich tatsächlich ein 08/15 Chick-Flick dabei herauskommen, der einfach nur das Pech hatte, besser geschrieben zu sein, als es die Zielgruppe verdient. Wer auf amüsanten Valspeak steht, kriegt hier jedenfalls die volle Breitseite, und das sowas nur im Original funktioniert, versteht sich hoffentlich von selbst. And if you're like, I only watch movies in German, I'm like duh, you're totally Clueless. Whatever. Ich gehe sogar so weit, daß ich behaupte, es gäbe schlimmere Arten, seine Zeit zu verschwenden ... zum Beispiel MEAN GIRLS gucken und dafür den grandiosen EASY A stehengelassen zu haben.

© Alex

Tuesday, April 17, 2012

NIGHTMARE WEEKEND (USA, 1986)



- "So, you don't like spiders ... how about butlers?"


Drei College-Girls nehmen an einem Experiment teil und verbringen dafür das Wochenende auf der Ranch eines Wissenschaftlers. Dessen Tochter lässt sich gerade von einem Supercomputer in Form einer Handpuppe therapieren, dann rollen böse Metallkugeln durchs Bild, in der Disko meldet man sich an den Tresen mit "I'm expecting a call", und zwischendurch hüpft auch schonmal die eine oder andere lose Titte aus dem Holster oder ein Kopf explodiert. Yep, wir sind in einem TROMA-Film, und leider einem von der Sorte, mit denen das Label seinen guten Ruf aufs Spiel setzt. Man kann nur mutmaßen, was beim Final Cut im Schneideraum vorgefallen ist ist ("Hey, ich hab da noch 'nen Meter gefunden"), ob versehentlich zwei verschiedene Filme zusammengewurstelt wurden, oder der Editor sich das Crack versehentlich in die Augen pustete und deshalb nichts mehr sehen konnte ... NIGHTMARE WEEKEND ist übelestes Flickwerk, diletantisch gefilmt, mit viel zu vielen Großaufnahmen von nichtssagenden Gesichtern im verrauschten Halbdunkel, langweilig, unverständlich, eventuell dankbares WTF-Potential nach 10 Minuten ausgereizt, und der Softsex-Score besteht quasi nur aus einem einzigen geloopten Jingle. Von soviel Müll kriegt selbst der TOXIC AVENGER Durchfall.
Burn it with Fire.

© Alex

Sunday, April 15, 2012

NOT OF THIS EARTH (USA, 1988)



- "Is Mr. Johnson some kind of Man on Mars, or something?"
- "I don't care if he's Darth Vader; I'm gonna wreck this."
- "Wait, I don't think we should screw around. It could blow up."
- "I never screw around!"



Traci Lords (bekannt aus BLADE und anderen Filmen) hat ihre Memoiren mit 35 Jahren geschrieben; halb Amerika hat sie gelesen - die andere Hälfte war weiblich. Ihr Auftritt als Krankenschwester Nadine Storey in Jim Wynorskis Remake des gleichnamigen Corman-Klassikers NOT OF THIS EARTH dürfte Tracis einzige Hauptrolle in einem Film ohne gynäkologisch dokumentierte Kopulationen sein ... und, verdammt noch mal, macht das Teil Laune!
The Force of the 80s is strong with this one: während im Original sich Mr. Johnson ausschließlich an schlecht integrierten Chinesen, betrunkenen Pennern und langweiligen Staubsaugervertretern vergreift, gibts bei Wynorski launige Slasher-Einlagen, aufgedonnerte Nutten und kurzsichtige Stripperinnen auf der falschen Party. Und natürlich Haarspray, Haarspray und nochmal Haarspray. Nur der Staubsaugervertreter ist immer noch genauso langweilig, sogar mit demselben New Yorker-Akzent. Ein bißchen frech ist das Intro, welches mit den blutigsten Money-Shots aus GALAXY OF TERROR (sowie einem mir bis dato unbekanntem Dino-Exploiter - zweckdienliche Hinweise werden gerne entgegengenommen) falsche Erwartungen (und/oder Begehrlichkeiten) schürt. Ich sage es nur ungern, aber nach diesem Film besteht kaum noch ein Grund, sich das 57er Original anzuschauen: Wynorskis NOT OF THIS EARTH liegt dasselbe Skript zugrunde, ist aber in jeglicher Hinsicht größer, schneller, weiter. Und natürlicher bunter, hehe. Fast alle Dialoge wurden 1:1 übernommen, allerdings hier und da mit smarten Anzüglichkeiten aufgepeppt - wo 1957 garantiert die Sitte gerannt gekommen, und die Filmrollen beschlagnahmt hätte, darf 1988 Schwester Nadine sogar das Handtuch fallen lassen; dafür lassen wir uns auch gerne zweimal gegen Tetanus impfen.
Wer Blut geleckt hat, für den gibt's derzeitig nur eine einzige Möglichkeit: das US-Release(!) von Shout! Factory(!) mit dem "Roger Corman Cult Classics"(!)-Schriftzug! Alles andere ist Scheiße, 4:3, deutsch, oder flimmert. Remember this, and you're golden!

© Alex

NOT OF THIS EARTH (USA, 1957)




Angestaubter, aber immer noch unterhaltsamer Sci-Fi-Chiller aus der Corman-Schmiede; wie so häufig spannt uns Good 'Ol Roger nicht lange auf die Folter, sondern zieht gleich die Katze aus dem Sack: Unser Baddie ist ein außerirdischer Vampir und braucht dringend Blut; dafür heuert er Schwester Nadine Storey an, die ihm fortan auf seinem Anwesen zu Diensten ist und mit Transfusionen versorgt. Wie er das Blut beschafft, ist Mr. Johnsons Geheimnis, aber unter Nadines blondem Köpfchen lauert ein aufgewecktes Gemüt und ihre Nachforschungen bringen sie alsbald in Lebensgefahr ...
Viel gekostet hat's sicherlich nicht, das Finale ist eher eine unfreiwillige Antiklimax und auf sexy Bademode muß man noch ein paar Jährchen warten, trotzdem reißt das Skript einiges mit pfiffigen, charmanten Dialogen. Und weil die Rechte abgelaufen sind, ist NOT OF THIS EARTH mittlerweile sogar kostenfrei als Download verfügbar. Einfach mal archive.org checken und dem Alex danken (ja, ihr könnt danach weiterhin gefahrlos die Seife aufheben).

© Alex

LABYRINTH (USA/Großbritannien, 1986)



- "That's not fair!"
- "You say that so often, I wonder what your basis for comparison is?"



Das ist wohl einer jener Filme, mit denen man aufgewachsen sein muß um sie zu schätzen. Mich hat's eher ratlos zurückgelassen. Ab und zu vermeint man ferne am Horizont sowas wie ALICE IN WONDERLAND zu erblicken, dafür sind jedoch die Dialoge zuwenig smart (SESAMSTRASSE all the way, von den Muppets weit und breit keine Spur). DER ZAUBERER VON OZ scheint primäre Inspirationsquelle fürs Skript gewesen zu sein, aber eigentlich stolpert die putzige Jenny Connelly nur von Szene zu Szene, kauft sich Freunde mit Plastik-Armbändchen, und was zwei Schauplätze zuvor passierte, ist irgendwann egal. Wozu das Ganze? Um ihren kleinen Bruder Toby zu befreien, den die Goblins gestohlen haben. Und warum haben sie ihn gestohlen? Öhm ... weil sie's wollte?
Der Soundtrack von David Bowie ist enttäuschend. Zumindest hat er sich nichts Herausragendes einfallen lassen. Für Anton Corbijns THE AMERICAN hat Herbert Grönemeyer die Musik geschrieben, und trotzdem fängt der nicht an, "Tief im Westen" zu gröhlen ... der Soundtrack zu DIE REISE INS LABYRINTH ist dagegen einfach nur David Bowie-Musik; und zum Teil leider auch ziemlich Schreckliche.
Für Kids trotzdem ganz okay; harmloser Fantasy-Quatsch, der keinem weh tut (falls man in Bullshit-Zeiten von TRANSFORMERS: DARK OF THE MOON sowas als Kind überhaupt noch cool finden darf).

© Alex

Saturday, April 14, 2012

IRON SKY (Finnland/Deutschland/Australien, 2012)



- "Where are we from?"
- "The Earth."
- "And when did we leave?"
- "1945."
- "Wonderful. And where did we go?"
- "The Dark Side of the Moon."



Die Idee ist Gold und lag quasi auf der Hand. Um so unbegreiflicher, daß wir so lange auf eine gescheite Umsetzung warten mußten. Wäre IRON SKY eine Hollywood-Produktion, hätten wir sicherlich auch gelacht - allerdings nur über die doofen Deutschen; die coolen Finnen lassen jedoch keine Gelegenheit aus, satirische Seitenhiebe in alle Richtungen zu verteilen. Dran glauben muß vor allem die Außenpolitik der USA, und passend hierzu muß in IRON SKY eine erstklassige Sarah Palin-Karikatur ihren knochigen Arsch (und die Welt) vor den Weltraum-Nazis retten.
Formal macht das Skript keine Experimente, liefert stattdessen konventionelle Blockbuster-Dramaturgie; erst so wird aus bierernst vorgetragenem Pathos mit allerhand politisch unkorrekten Querschlägern die wahrscheinlich beste Dieselpunk-Comedy des Jahres. Und Udo Kier hat, was seine Rollenwahl angeht, sich jetzt endgültig zum legitimen Erben von Klaus Kinski gemausert.

© Alex

Tuesday, April 10, 2012

LOVE (USA, 2011)




Mit LOVE bekommen endlich die Atheisten ihren TREE OF LIFE zum anbeten, und falls der Vergleich blasphemisch anmutet, dann tut's auch "Tarkovsky mit geiler Musik". Es scheint unglaublich, aber tatsächlich hat Kubrick mit seinem 2001 bereits alles gesagt; viele Bilder sind geklaut, einige aber auch neu, und wo 2001 den ganzen mühseligen Weg beschreitet, teleportiert uns LOVE direkt zu den schönsten Ecken. Hat man erstmal gelernt, den unverständlichen Südstaaten-Akzent und die verrauschten Funksprüche zu ignorieren, ein durchaus sehenswerter existenzialistischer Trip, welcher mehr Fragen aufwirft, als diese zu beantworten. Und wer immer noch glaubt, das sei etwas Schlechtes, kann sich ja an MISSION TO MARS versuchen. Dann aber bitte nicht heulen, wenn der Erklärbär anfängt zu steppen und die ganze Mission zum Teufel fährt. Eine Zweitsichtung mit Untertiteln versteht sich von selbst. Ähm, LOVE, meine ich; nicht De Palmas grandios gescheiterten Welterklärungs-Versuch ... bis dahin bete ich weiter den Mond an (den mit Sam Rockwell), und vertusche mit vielen schönen Worten die Tatsache, daß ich LOVE nicht verstanden habe. Wer wirft den ersten Stein?

© Alex

Monday, April 9, 2012

LIVID (Frankreich, 2011)




Ein Schritt zurück, und trotzdem in die richtige Richtung: LIVID beschwört in altmodischer Manier den irrationalen Horror von Fulci und Co. herauf: imaginativer, atmosphärischer Horror ohne Gebrauchsanweisung, der konservative Logik-Fatzkes gnadenlos im Regen stehen lässt; mit dem Schirm im Arsch. Das Skript schnitzt sich sein eigenes, faszinierendes Regelwerk zurecht - Regeln, wie sie jeder von uns schonmal in seinen Träumen aufgestellt hat, mit dem Unterschied, daß man in LIVID bei Mißachtung nicht aufwacht, sondern stirbt. Kleiner Tip: es wird garantiert kein schöner Tod!
Dabei scheint alles zunächst gewohnte Wege zu gehen: unheimliches Herrenhaus, Teenager, Mutprobe. Bis der Film einen plötzlichen U-Turn nach SILENT HILL einschlägt, sich dort jedoch nicht lange aufhält, und das Gaspedal tiefer und tiefer durchdrückt: hinein ins HAUS AN DER FRIEDHOFSMAUER und von dort ab ins THE BEYOND. Fulcis Affinität zur unfreiwilligen Komik stellt LIVID anrührende poetische Momente inmitten einem lodernden Fegefeuer aus Blut, Trauer und Verwesung gegenüber. Keine Erlösung, aber mindestens eine Offenbarung.

© Alex

Sunday, April 8, 2012

JUAN OF THE DEAD (Kuba/Spanien, 2011)




Trotz handwerklicher Finesse ein Fanfilm durch und durch. Das macht ihn sympathisch, lässt einen leichter über Schwächen hinwegsehen, und mal ehrlich: wieviele Zombie-Komödien aus Kuba kennt ihr? Der Humor pendelt irgendwo zwischen Pubertär und Politisch (in den Nachrichten werden Untote als regierungsfeindliche Dissidenten klassifiziert), und hat mindestens so viele Höhen wie Tiefen am Start, wie einem unkontrollierter Genuss kubanischen Rums zu spendieren vermag. Nicht alle Gags zünden, einige Male vergreift sich das Skript sogar recht übel im Ton und gibt seine Charaktere der Lächerlichkeit preis, anstatt wie in SHAUN OF THE DEAD uns anzuhalten, gemeinsam mit ihnen zu lachen. Der animierte Abspann ist wahrscheinlich das Beste am Film, und das war jetzt ausnahmsweise mal nicht sarkastisch gemeint; der ist wirklich toll. Alles andere davor zumindest okay und erfüllt seinen Unterhaltungs-Auftrag zufriedenstellend. Bonuspunkte für's süße Schneewittchen (Andrea Duro als Juans Tochter). Der versprochene Mega-Knaller blieb allerdings aus.

© Alex

Saturday, April 7, 2012

CHRONICLE (USA/Großbritannien, 2012)




Noch so'n Youtube-Thriller, der 10 Minuten kürzer wäre, müßte man nicht dauernd erklären, warum *insert_name* ausgerechnet JETZT die Kamera auspackt und "das mal filmen will". Hinzu kommt, daß CHRONICLE seinen formalen Aufhänger inkonsequent aufzieht, indem er verzweifelt nach Hintertürchen sucht, eben doch Tracking Shots und Schuß/Gegenschuß-Dynamik unterzubringen. Was CLOVERFIELD angeht, gehörte ich damals zu den Kostverächtern erster Stunde, erst Jahre später dämmerte mir, was Abrams mit seinem einzigartigen Kino-Experiment wirklich geleistet hat ... CHRONICLE kann da selten mithalten.
Dabei ist das, was da abgeht, eigentlich sogar ziemlich super; das Wow-Feeling der ersten Telekinese-Gehversuche überträgt sich unmittelbar auf den Zuschauer, selbstverständlich schreitet der Nerd von Welt nicht gleich zur Rettung der Welt, sondern fängt klein an: den Mädels unter die Röcke gucken und dem fiesen Football-Alpha-Tier die Zähne ausschlagen. Auch die Wandlung vom Paulus zum Saulus findet auf ausreichend psychologisch gedüngtem Acker statt. Das knallige Finale hebt dann vollends ab, inklusive einstürzenden Hochhäusern und Auto-Konfetti; wer PUSH Scheiße fand, bekommt hier eventuell eine kleine Entschädigung nachgereicht. Das nächste mal aber bitte wieder jemanden an die Kamera lassen, der sich damit auskennt; einen Regisseur zum Beispiel.

© Alex

SLEEP TIGHT (Spanien, 2011)




Den dramaturgischen Kniff, den Zuschauer die Spannung aus den Augen des Schurken erleben zu lassen, treibt SLEEP TIGHT zum Äußersten: der Protagonist ist vom seltenen Symptom infiziert, unfähig zu sein, sich zu freuen; Genugtuung fühlt er nur, wenn andere Menschen ebenso leiden wie er. Das freundliche Lächeln der lebenslustigen Clara ist ihm der weheste Dorn im Auge - um sie unglücklich zu machen setzt er sogar seinen Hausmeister-Job aufs Spiel, und was unser Hiob-Maker da Böses ausheckt, hat nichts mehr mit gemeiner Schadenfreude zu tun, das zielt tiefer. Einen doppelten Boden lässt das geradlinige Skript missen, welches eventuell als Kurzfilm noch besser funktioniert hätte, dafür tritt Regisseur Balaguero mit einer wahrhaftig monströsen Pointe kräftig nach. Kein Wellness-Kino, aber perfekte Manipulation der Gefühle, dabei stets subtiler Thrill mit all der kontroversen Wucht eines Exploiters.
Me senses a remake ...

© Alex

Tuesday, April 3, 2012

ONCE UPON A TIME IN MEXICO (USA, 2003)




Gut besetzte Genre-Fingerübung, als lockere Ansammlung von Leone-Motiven gut wegguckbar, allerdings hier und da schlampig geschrieben und bei einigen Bildern wähnt man sich in einem billigen TV-Actioner. Immerhin bleibt Rodriguez stilistisch dem Western verpflichtet, ohne sich dermaßen in alle Richtungen auszubreiten wie in MACHETE, der eigentlich nur noch ein wüster Comic-Labskaus aus Klischees und Zitaten ist. Johnny Depps herrlich überspitzte Performance, der lakonische Banderas, sowie ein hervorragender Soundtrack retten den Film vorm verfrühten Sonnenuntergang, schön wäre es noch gewesen, wenn Rodriguez auf die ekligen Handies und hippen T-Shirts verzichtet, und so eine zeitlose Meta-Realität geschaffen hätte - dann würde eventuell auch der Titel einen Sinn ergeben.

© Alex

Sunday, April 1, 2012

WRATH OF THE TITANS (USA, 2012)




Übersättigtes Effekte-Spektakel, welches glücklicherweise selten zur Ruhe kommt und mit immer größeren und cooleren Dämonen aus der griechischen Sagenwelt (und diversen Computerspielen) bei Laune hält. Erzählerisch hat sich seit den 60er Jahren nicht viel verändert, Harryhausen'sche Stop and Motion-Technologie findet sich allerdings nur noch in der Mimik der Schauspieler wieder. Der Angriff einer feuerspeienden Schimäre zu Beginn des Films sorgt für ein paar brachiale Wow-Momente, ebenso wenn im Finale Titan Chronos höchstpersönlich mit Flamme und Rauch ganze Dörfer dem Erdboden gleich macht. Dem olympischen Personal treibt das Skript auch das letzte Fünkchen Spiritualität aus, menschelndere Götter hat's selten gegeben, was man durchaus als Verbindlichkeit den Originalschriften gegenüber werten kann, schließlich war Zeus auch in den Überlieferungen bereits ein dauergeiler Lustgreis, der jedem Peplos hinterherjagte.
Muß mir demnächst mal den ersten Teil geben ... schlechter als ZORN kann der kaum sein.

© Alex