Thursday, May 10, 2012

THE HUNGER GAMES (USA, 2012)




THE HUNGER GAMES fühlt sich an wie ein aufgeblasenes BATTLE ROYALE-Fanfic, welches ein 15-jähriges kaukasisches Anime-Girl mal im respektiven imdb-Forum gepostet hat; sich selbst hat sie als tapfere und toughe Mary Sue gleich mit hineingeschrieben. Oh, sorry, das ist 'nen Bestseller? Muß ich wohl verschlafen haben ...
DIE TRIBUTE VON PANEM (deutscher Titel) hat Null sozialkritische, geschweige denn, satirische Relevanz; für einen Teen-Adventure-Flick ist wiederum ganz schön bedenklich, wie kaltschnäutzig hier mit den kostbaren Leben jugendlicher Menschen umgesprungen wird - nicht daß es einen im Mindesten berühren würde: einen interessanten Background oder Entwicklung hat keine der Figuren abbekommen, und für ein paar unbekannte Gesichter, deren Namen im News-Requiem runtergeleiert werden, vergieße ich keine Träne. Oder es erwischt jene unsympathischen Football-Bullies, die den Nerds auf dem Schulhof immer das Pausenbrot und die Spiderman-Comics wegnehmen, und deswegen ohnehin nichts anderes verdient haben. Wo sind die Freaks, die Psychos, die Emos, die Außenseiter, die Insulin-Junkies? Stattdessen gibts eine Handvoll glatttgezüchteter Edward- und Jacob-Klone, während die Mädels-Fraktion von Dieter Bohlen für eine Woche Charts (inklusive Rückflug-Ticket ins Nirvana) zusammengecastet wurde.
Würde unsere Mary Sue wenigstens in einer Szene an ihre Grenzen stoßen, mal über sich hinauswachsen ... aber sie kann ja bereits alles: ist hübsch und athletisch, hat einen Freund, kann mit Pfeil und Bogen Legolas einen Apfel zwischen den Eiern wegschießen, und ist bereits zu Beginn der Spiele unangefochtener Star der Show. Apropos "Show": vor und hinter der Bühne versammeln sich 50 Jahre STAR TREK-Fasching; zu keinem Zeitpunkt erschließen sich einem die Gesetze, Regeln und Werte der Utopie; alles scheint so willkürlich wie der grüne Sacko von dem da drüben und die pinke Perücke von der Schnecke hier vorne. Diese Konzeptlosigkeit setzt sich in dramaturgischer Instanz fort: wieder und wieder werden von administrativer Ebene aus Regeln geändert und durch neue ersetzt; mit überraschenden Wendungen hat das nichts gemein, hier wird bloß der Zuschauer für dumm verkauft. Wo bleiben die wirklich wichtigen Themen? Auflehnung gegen das kranke System? Freundschaft, Hoffnung, Verlust? Was für eine perverse Lebensphilosophie ist das, die man 12-Jährigen hier unkommentiert mit auf den Weg gibt: Ihr müßt gewinnen, dann wird alles gut ... ?
Zumindest dürfen wir, sollte dies tatsächlich das lang angekündigte (und gefürchtete) BR-Remake sein, jetzt wieder aufatmen: mit sowas Belanglosem zwingt man Kinji Fukasaku nicht in die Knie!

© Alex

Monday, May 7, 2012

ATTACK THE GAS STATION! (Südkorea, 1999)



- "Fuck the ice cream!"


Vier Vollspacken überfallen einen Tankstelle, legen die gesamte Infrastruktur in Schutt und Asche, und leeren den Tresor. Schnitt. Einige Tage später wiederholen sie die Prozedur ... an derselben Tankstelle. Da kein Geld in der Kasse ist, kommen sie auf die glorreiche Idee, die gesamte Belegschaft als Geiseln zu nehmen und das Geschäft auf eigene Faust zu führen. Und wenn der Kunde nicht in Bar zahlt, kommt er eben in den Kofferraum.
Hervorragende Eskalations-Comedy, die man mittlerweile getrost zu den modernen Klassikern des asiatischen Kinos zählen darf. Zwar bekommt jeder der vier Antihelden einen Background und persönliches Trauma spendiert, die begonnene Assi-Tour zieht der Film jedoch konsequent bis zum Ende durch, und schafft es dabei sogar, den Moralknüppel im Sack zu lassen. Der einzige Fremdschäm-Moment, in dem eine koreanische Boygroup ihren Gastauftritt mit einer auf Gedeih und Verderb ins Drehbuch reingekrampften Songeinlage rechtfertigt, ist angesichts des chaotischen Showdowns, wenn Mafia, Motorradgang und Polizeikommando an der Zapfsäule aufeinandertreffen, schnell vergessen.

© Alex

Sunday, May 6, 2012

THE AVENGERS (USA, 2012)



- "Let's do a headcount: Your brother, the demigod; a super-soldier, a living legend who actually lives up to the legend; a man with breathtaking anger management issues; a couple of master assassins; and you've managed to piss off every single one of us."
- "That was the plan."
- "Not a great plan."



Jeder verdient eine zweite Chance, sogar der Hulk: Nerd-Guru Joss Whedon schafft das Kunststück, alle jene Helden, deren Solo-Auftritte nicht durchweg überzeugten, unter einem sonnigen Himmel zu vereinigen. THE AVENGERS rockt! Nicht von Minute Eins an, auch nicht ab der zehnten (insbesondere was Funktionsweise und Herkunft des Tesseracts angeht, wurde wohl einiges an essentieller Exposition eingespart), aber spätestens wenn sich alle mal die Hände geschüttelt haben, gibt Whedon Gas: THE AVENGERS ist rasante, längenfreie Unterhaltung aus der obersten Gewichtsklasse; für absolut reuefreien Genuß empfiehlt es sich jedoch, von den Stand Alone-Wegbereitern zumindest einmal THOR gesehen zu haben, da jener am meisten expositorische Elemente beigesteuert hat.
Das ellenlange Finale liefert all den Bombast und Krawall des TRANSFORMERS: DARK OF THE MOON-Showdowns, nur mit mehr Seele. Jeder Avenger bekommt seinen Moment im Rampenlicht, und für Jeremy Renner als Legolas (a.k.a. Hawkeye) könnte ich glatt schwul werden. Coole Sau; wer war nochmal Scarlet Johansson? Whedons Trademark-Stilmittel beinhalten unter anderem One Shot-Sequenzen: wenn eine entfesselte Kamera von Kampf-Schauplatz zu Kampf-Schauplatz quer durch New York-City rast, ist das selbstverständlich nur mit CGI-Einsatz möglich, ihre beeindruckende Wirkung verfehlt die Szene deswegen aber nicht.
Und ich will 'nen Hawkeye-Film. Jetzt!

© Alex

Thursday, May 3, 2012

POSTAL (USA/Kanada/Deutschland, 2007)



- "No more crazy cults that look forward to the end of the world!"
- "Don't worry; we've decided to be Christians!"



Wenn er mit plumpem Zynismus mal nicht gerade für Unwohlsein sorgt, kann POSTAL mitunter saukomisch sein und trifft dabei sogar die Richtigen: kleinkariertes Spießbürgertum, verbohrte Bigotterie, amerikanische Außenpolitik, Management-Seminare und Tom Cruise. Der Rest der Laufzeit geht auf Koprophilie, Sodomie und Ausschwitz, Zeitlupenschüsse durch Kinderköpfe, tote Babys, unverpixelte Geschlechtsteile, ein Café mit dem Namen "Grind Zero", und wer sich hiernach noch nicht ausreichend angepisst fühlt, bekommt spätestens bei Witzen über die großen Weltreligionen Uwes rachsüchtigen Mittelfinger zu spüren: Christen, Judentum, Islam, Scientology - daß er einseitig austeilen würde, darf man Uwe Boll wahrlich nicht vorwerfen; ein Amoklauf sondergleichen, der kein gesellschaftliches Tabu, keine Geschmacklosigkeit (hab eigentlich nur Nekrophilie vermisst) auslässt. Sogar vor sich selbst macht Boll nicht Halt, wenn er in Lederhosen auf die Bühne steigt und großspurig verlauten lässt, er würde seine Filme mit Nazigold finanzieren. Die Frage ist: Darf man so einen Film machen? Oder eher: Brauchen wir so einen Film? Die Antwort lautet: Jetzt nicht mehr! Uwe Boll hat in seinem Film bereit alle erdenklichen Ethik-Minen getriggert.
Mal abgesehen von Nekrophilie.
(Nicht, daß daß dieser Umstand die Wertung sonderlich beeinflusst hätte.)

© Alex

BATTLESHIP (USA, 2012)



- "Prepare to fire."
- "Sir, which weapons?"
- "All of them."



Wahnsinn, Liam Neeson in 'nem ASYLUM-Film (zumindest die Explosionen sehen so aus); dabei hätte Nic Cage das Geld nötiger gebraucht ...
Die debilen Dialoge der Blechköppe aus TRANSFORMERS 1-3 werden hier Charakteren aus Fleisch und Blut in den Mund gelegt, da wir solche Filme allerdings ausschließlich der Blechköppe wegen angucken, ein wiederum fast verschmerzbarer Defekt. Hat man einmal den verbalen Bullshit der ersten halben Stunde überlebt, gut anguckbarer Balla-Balla-Trash mit viel Hurra-Patriotismus, der in dieser Form eigentlich kaum gefährlich ist, höchstens peinlich. Die Message mit dem Fußballspiel USA gegen Japan(!) auf dem Stützpunkt in Pearl Harbor(!!) wird an Subtilität nur noch von dem akustischen Hans Zimmer-Stock Footage getoppt, welches jedesmal exhumiert wird, wenn tapfere Navy-Veteranen durchs Bild marschieren oder der Captain in Zeitlupe in seiner Kajüte rumsteht. Immerhin bleibt uns der x-te schwarze und irgendwie voll vernünftige und auf dem Boden gebliebene Präsident mit loyaler Frau und aufmüpfiger Tochter erspart. Nachvollziehbare Dramaturgie wird einem nahezu sklavischen Ansinnen, die Schiffe-Versenken-Regeln 1:1 ins Drehbuch zu implementieren, geopfert; soviel hirnverbrannte Hingabe verdient immerhin einen kleinen Applaus und macht BATTLESHIP fast wieder sympathisch. Ich freu mich schon auf TIC-TAC-TOE: THE MOVIE, basierend auf dem gleichnamigen Hasbro-Franchise (Brettspiel und Actionfiguren).
Hab mich nicht gelangweilt.

© Alex