Saturday, June 23, 2012

POISON IVY (USA, 1992)





Schrecklich geschmackvolles Paradebeispiel für alles, was in den 90ern die Welle an Erotik-Thrillern richtig gemacht (Production Value), und was sie versiebt hat (prätentiöse Twists, 1st-Semester-Psychologie). Drew Barrymore als soziopathische Highschool-Lolita stürzt einen ollen Greis (Tom Skerritt) und dessen Familie ins Unglück, und ... das war's dann schon. Für einen Skandal reicht das heutzutage nicht mehr, zumal hier jeder Happen potentieller Sleaze in den Distinguierungs-Mangler gesteckt, und solange drüber gebügelt wird, bis man's im Quelle-Katalog in der Unterwäsche-Abteilung abdrucken könnte. Ein Kind seiner Zeit, ordentlich geschrieben und inszeniert, aber letzten Endes viel zu belanglos um in derselben Liga solcher Aufreger wie Sharon Stones Beinüberschlag in BASIC INSTINCT mitzuspielen (es sei denn, man findet Tattoos shocking). Wirklich böse mag man ihm nicht sein.

© Alex

Thursday, June 21, 2012

ANGEL 3: THE FINAL CHAPTER (USA, 1988)





Das New World ANGEL-Franchise biegt in die Zielgerade ein und macht zum Abschluss (fast) alles richtig. Von der alten Besetzung ist keiner mehr übrig, Mitzi Kapture ist der neue Rotlicht-Engel und gefiel mir wieder besser als Betsy Russell. Auf der Suche nach ihrer verschollenen Schwester gerät sie ins Visier von Maud Adams (yep, genau die Maud Adams), die als skrupellose Mafia-Queen ihr Porno-Imperium zu expandieren sucht. Die Männer unter ihrer sexy Fuchtel: natürlich so doof wie schwanzgesteuert. Hat jemand was anderes erwartet? Trotz teils recht fieser Dinge, die hier abgehen, zeichnet THE FINAL CHAPTER eine charmante Leichtigkeit in der Inszenierung aus, wie sie wohl exemplarisch für das Kino der 80er Jahre gelten darf. Und natürlich Production Value; Holla: ANGEL 3 sieht aus wie ein Film! Undenkbar, daß so was heutzutage noch über Home Video-Budget produziert würde. Und wie der Böse am Schluß sein Fett abkriegt, ja, da lacht das schwarze Vigilante-Herz! In den Himmel komme ich wahrscheinlich nicht mehr, aber die Reihe war's wert ...

© Alex

Monday, June 11, 2012

AVENGING ANGEL (1985)





ANGEL geht in die nächste Runde und ist kein bißchen heilig geworden. Aber erwachsen. Und hat Jura studiert und bringt böse Jungs in den Kerker. Der zweite Teil legt einen überraschend saftigen Start mit Pumpgun-Polka im Rotlicht-Keller hin, danach ist erstmal Exposition angesagt: Mollys (Betsy Russell) einstiger Mentor (der Cop, der sie vom Babystrich runtergeholt hat), hat sich bei einem Shootout zuweit aus der Deckung gelehnt und zählt jetzt Höschen von unten; Zeit für Molly, wieder in den Mini und die knalligen Pumps zu schlüpfen und auf dem Hollywood-Boulevard undercover die Übeltäter zur Rechenschaft zu ziehen.
Wesentlich komödiantischer als der Vorgänger legt die schlüpfrige Crime-Posse dennoch ordentlich Tempo vor, und punktet mit fast allen Darstellern aus dem ersten Teil (die sich allerdings ausnahmslos wie Karikaturen ihrer selbst aufführen). Der Schluß flaut dann mit einem 08/15-Thriller-Showdown nochmal kräftig ab. Der Neon-Pomp, gepaart mit unruhiger 80er-Jahre Musik und herrlich ätzenden Frisuren, sorgt für leidlichen (nostalgischen) Unterhaltungswert. Kann man gucken. Kann man aber auch sein lassen.

© Alex

ANGEL (USA, 1984)





In den 80ern gab's eben nicht nur Michael J. Fox und Molly Ringwald; ANGEL singt im selben Kanon: "NATALIE X: INVASION BABYSTRICH, präsentiert von Roger Corman": so oder ähnlich könnte man sich einen alternativen Titel vorstellen - wenn denn Roger Corman seine Finger im Spiel gehabt hätte. Aber "High School Honor Student by Day, Hollywood Hooker by Night" ist auch 'ne griffige Tagline für dieses äußerst rasante und unterhaltsame Thriller-Drama, welches sich zwischen alle Stühle setzt - und am Ende stehen bleibt. Sleaziger Nachtclub-Boulevard als glitzernder Abenteuerspielplatz, check, moralische Predigt, check, nekrophiler Nuttenkiller mit Ödipus-Komplex, check ... ANGEL findet in jeder Gemütslage die richtige Balance zwischen heuchlerischer Hollywood-Schmonzette und Cheap Thrills, wie man sie aus diversen Exploitern kennt. "Best of both Worlds", würde Hannah Montana sagen. Die ist aber böse. ANGEL ist gut. Hallelujah.

© Alex

Thursday, June 7, 2012

HANNIE CAULDER (Großbritannien, 1971)





Massiv unterrepräsentierter Rape&Revenge-Western aus Großbritannien, Drehort wahrscheinlich ums jugoslawische Eck rum, Bilder und Musik lassen wiederum Italo-Stimmung aufkommen. Drei Hillbillie-Gangster werden nach einem Bankraub von der Militia gejagt, töten auf der Durchreise einen Farmer, vergewaltigen dessen Frau und brennen ihr Haus nieder. Es kommt wie es kommen muß: IN EINEM SATTEL MIT DEM TOD (deutscher Titel) ist weder Exploitation, noch ausgesprochen feministisch, zumindest die Vergewaltigung zu Beginn des Films ist nicht exploitativ, findet größtenteils in der Phantasie des Zuschauers statt. Kommt auch ziemlich schockierend, die Szene, und hält nicht länger drauf als unbedingt notwendig. Danach nimmt ein relativ geradliniger Rache-Western seinen Lauf: Raquel Welch besorgt sich was zu Anziehen, lernt Schießen und sucht die drei Übeltäter nacheinander auf.
Regisseur Burt Kennedy war sich der Tatsache, daß er da Occidents Hottest Property am Start hat, wohl bewusst, und weiß diesen Trumpf auch effektiv auszuspielen: die Welch macht sich Klasse als Revolverlady, kommt allerdings erst gegen Schluß so richtig groß raus; davor schießt sie lediglich auf Vogelscheuchen. Im großen Ganzen sehr trockene, staubige Angelegenheit, mit ein paar Comical Relief-Momenten, die Schießereien dagegen überraschend blutig (hellrot) und kompromisslos.
Sehr angenehmes Teil, Empfehlung mit Sahnehäubchen. Und wer immer noch nach Ausreden sucht: Christopher Lee macht auch mit!

© Alex