Sunday, March 10, 2013

THE TALL MAN (Kanada/Frankreich/USA, 2012)





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Der breiten Masse ein Geschenk zu machen ist grundsätzlich nicht zu verteufeln; der wirtschaftliche Erfolg sei Laugier gegönnt, aber der Einwand ist berechtigt: bei einem Film, welcher ganz und gar auf einen Twist aufgebaut zu sein scheint, was bleibt beim zweiten Mal gucken? An die konsistente, rohe emotionale Wucht seines Vorgängers reicht THE TALL MAN zu keiner Sekunde; welchen Anreiz bietet der Film, ihn zu einem späteren Zeitpunkt nochmal sehen zu wollen um ihm weitere Facetten zu entlocken? Laugier sucht dem Dilemma entgegen zu wirken, indem er der Auflösung des Rätsels einen realen Bezug gibt. Das rüttelt auf, hebt ab von der Masse, hat ihn angreifbar gemacht. Über das Ende wurde viel geschrieben: von einer moralisierenden Botschaft war zu lesen, von prätentiöser Maßregelung. Damit tut man ihm Unrecht, tatsächlich bleibt der Zeigefinger unsichtbar. Was Laugier tut, ist, den schwarzen Mann aus dem Kleiderschrank zu befreien und als globales Gespenst zu interpretieren; die Tür einen Spalt breit zu öffnen in eine andere Welt; eine Welt, die nur in unseren Augenwinkeln existiert, dennoch präsent ist und deren parallele Strukturen unser aller Geschicke maßgeblich beeinflussen. [...]


© Alex

Saturday, March 9, 2013

EXCISION (USA, 2012)





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Man mag von der Besetzung halten was man will, sicherlich nicht unerheblich kalkuliert, auf daß der Feuilleton einen "Cast mit Kultpotential" heraufbeschwöre, der sich natürlich super als Zitat auf dem Cover der Heimkino-Auswertung macht: John Waters und Malcolm McDowell sind Hausnummern, da braucht es keine Aufschrift auf dem Klingelschild. Genauso könnte man dem Team zu raren Glücksgriffen gratulieren: Paulines religiös-dogmatisch deklamierende Mutter ausgerechnet mit Traci Lords zu besetzen, das hat Witz. Und funktioniert. Lords überzeugt in ihrer zweitbesten Rolle ausnahmsweise nicht als exploitative Staffage, sondern als respektable Schauspielerin. Und wenn vorgestrige Republikaner-Gesinnung von instabilem jugendlichen Wahn gefickt wird, zeugt sie eine kritische Masse, die die Leinwand explodieren läßt und spannende Transitionen zwischen drastischem Horror und Familiendrama ermöglichen. [...]


© Alex