Sunday, April 28, 2013

TWINS OF EVIL (Großbritannien, 1971)




Flott erzähltes B-Abenteuer der späteren Hammer-Jahre, macht Spaß und nutzt auch seinen Zwillings-Trumpf (Mary & Madeleine Collison) nicht ausschließlich für Eye-Candy, sondern spannende dramaturgische Konstellationen. Wen's interessiert: die beiden Damen haben ihrerzeit für den Playboy blank gezogen. TWINS OF EVIL ist zugleich der letzte (und beste) Teil der sogenannten "Karnstein-Trilogie", welche den erzählerischen Schwerpunkt auf die Sexualität im Vampir-Mythos verlagert hat, dabei insbesondere lesbische Themen ins Rampenlicht rückt.
Und wer sich bereits auf unsittliche Inzest-Exzesse gefreut hat ... get down, boys. Der Eros wurde subtil inszeniert, gevögelt wird kaum bis gar nicht (von einer witzigen phallischen Metapher abgesehen), einige schwüle Innuendo dürften Anno 1971 Moralhütern dennoch rote Köpfe beschert haben. Katholische Paranoia vor Weib und Wonne ist ein zeitlos rentabler Quell für atmosphärisch dichte Schauermärchen in gruseligem Ambiente, inklusive einiger überraschend rabiater "Splatter-Pointen", die aber nicht darüber hinwegtäuschen können, daß die Geschichte im Kern nach wie vor dieselben erzkonservativen Ideale predigt wie seine Urgroßväter im Geiste: gottesfürchtige, alte Männer, die mit Kreuz und Feuer und dem frommen Wort auf den Lippen den Teufel austreiben. Naja. Aber dank einer intensiven Performance von Peter Cushing trotzdem toll.

© Alex

Monday, April 1, 2013

SPRING BREAKERS (USA, 2012)




Für sein Skript zu KIDS gehört Harmony Korine gekreuzigt; jetzt, fast 10 Jahre später, kommt mit SPRING BREAKERS die korrespondierende Himmelfahrt: der gestrige Kinobesuch war mein schönstes Ostergeschenk seit Jahren.
Wie den Disney-Herzchen Selena Gomez und Vanessa Hudgens hier mit dem Sandstrahler der keusche Lack abgefräst wird, nein, das geht nicht ohne voyeuristische Schadenfreude über die Bühne - sicher ist es leicht, SPRING BREAKERS als sexistische Chauvie-Phantasie abzutun, hinter der Fassade verbirgt sich jedoch ein überraschend authentisches Porträt der Generation Loveparade: junge Rebellen, die für ihr Recht auf Party über Leichen gehen. Den Kopf in der eigenen Kotze, auf den Titten ein Sud aus Tequila und Koks, zwischen den Beinen ein anonymer Schwanz oder Finger. Und am nächsten Morgen Kater, AIDS oder Knast. Oder alles zusammen. Aber Hauptsache Spaß gehabt. SPRING BREAKERS kommt als psychedelische Oliver-Stone-Variante von PROJECT X daher, ohne die asoziale Ideologie seiner Protagonisten zu verherrlichen, moralisiert aber auch nicht. Aufgrund seiner Ambivalenz nicht ungefährlich, mindestens fragwürdig, momentan allerdings verdammt nochmal 100x interessanter als der ganze andere Scheiß da draußen. Und Bilder gibt's für die Ewigkeit.
Ab der Hälfte verschiebt sich der Schauplatz weg vom Strand, hin zu dekadentem Gangster-Luxus: orangener Lamborghini Gallardo, Berge von Marijuana, bi-sexuelles Gefummel inmitten von 100-Dollarnoten. Waffen trägt man in phallischer Pose. Die trippige Inszenierung erinnert an ein Musikvideo, ist ganz polierte Oberfläche. Abstrahieren wird dadurch zum Kinderspiel: Drogen sind scheiße, SPRING BREAKERS ist geil, dank einem hemmungslos frei drehendem James Franco in seiner bislang schillerndsten Performance: wenn er ohne mit der Wimper zu zucken Britney Spears zur "größten Sängerin unserer Generation" kürt, in die Klaviertasten haut, und daraufhin Korine zu "Everytime" eine vor Pathos überlaufende Collage vor unseren Augen ausbreitet, dafür braucht es mehr als nur eine Portion Wahnsinn, gepaart mit Genie. So etwas ernst zu meinen und funktionell aufzubereiten, das ist schon ein kleiner Respekt wert.
Es würde mich nicht wundern, wenn SPRING BREAKERS eines Tages in einem Atemzug mit TRAINSPOTTING genannt wird - die Rezeptur für ein Kultphänomen hat er gut studiert, als Statement zur Lebensphilosophie der Generation 2kX-TASY hat er sich einen Platz in der Filmgeschichte redlich verdient - auf daß auch unsere Enkel einst den Frühling mit einem schallenden "Spring Break forever, ihr Fotzen" begrüßen werden.

© Alex