Sunday, July 21, 2013

THE SWEENEY (Großbritannien, 2012)




Wenn ich schonmal einen Cop-Thriller gucke, dann müßte der von Zack Snyder kommen, bin daher auch baff, wie sehr mich das hier mitgerissen hat. Fand den maximal geil, gehört zum Spannendsten, was mir dieses Jahr aufgetischt wurde. THE SWEENEY ist reißerisch inszeniert, aber mitnichten dumpfes Prollkino, und Reflektion über den reaktionären M.O. der Polizei findet statt, halt nicht in sülziger Wiederkäuer-Manier, sondern wird unverdaut an den Zuschauer weitergereicht. Ohne eben jenes heikle Element wäre THE SWEENEY nicht das packende Stück Thrillerkino, was es ist, sondern ein langweiliger TATORT. Die Charaktere bleiben über die gesamte Laufzeit in grauen Gewässern gestrandet, von der Kamera nicht mehr heroisiert, als sie selbst sich sehen. Davon profitieren die Dialoge zwischen den Einsätzen, macht das Gerangel mit den Internals erst interessant. Der DARK KNIGHT-Score wummert der Inszenierung angemessen (die ansonsten mätzchenfrei alte Schule zitiert) schön breitbeinig die Elektroklaviatur hoch und runter.
Der Vorwurf des Sexismus läßt mich ratlos zurück; it's a man's world, okay, und es ist eine Sache, worüber die Kerle sprechen wenn sie unter sich sind, aber die wenigen Frauenrollen waren für so ein Setting überraschend stark geschrieben. Hier fickt keiner, wenn er selbst nicht unbedingt will, und wenn den Damen ein doofer Spruch gesteckt wird, wissen die sich schlagfertig zu wehren:
- "You look excited."
- "It's your tits."
- "They don't stick out as much as your belly."

Wahrlich kein Film, für den man sich schämen muß. Weder Macher noch geneigter Zuschauer.

© Alex

Saturday, July 20, 2013

ALICE (Großbritannien/Kanada, 2009)




Niedliche, aber belanglose Interpretation von Lewis Carrolls Kinderbuch-Klassiker. Gelungene "Alice in Wonderland"-Verfilmungen sind rar, meist steht einer packenden Verfilmung der episodische Charakter der geschriebenen Vorlage im Weg; da muß man sich schon was einfallen lassen um all die skurrilen Typen stimmig in einer Filmhandlung zu versammeln, ohne Redundanz und Willkür walten zu lassen.
Eine nette Grundidee hat der Film zu bieten, zunächst macht das eigenwillige, utopische Setting Spaß (der Märzhase als Killer-Android im Business-Suit hat einen eigenen Film verdient) und die Effekte sind für eine TV-Produktion gelungen (Highlight: der Jabberwocky). Caterina Scorsone ist eine tolle Alice; brünett, mit schwarzem Gurt in Karate - nimm dich in Acht, Herzkönigin (Kathy Bates)! Allerdings sind drei Stunden zu lang, vor allem, wenn man wirklich jeder Kreatur (inklusive "Looking Glass"-Sequel) ein Cameo spendieren will; das ist löblich, aber große Momente wie die Lindwurm-Hatz quer durchs Unterholz kommen so unter die Räder, da sie keine Bedeutung für die Haupthandlung haben. Auch die Kamera wächst nie über Fernseh-Niveau hinaus, und zum Ende hin werden Schauplätze immer gewöhnlicher, da anscheinend Zeit und Ressourcen fehlten, den futuristischen Look konsequent aufrecht zu erhalten.

© Alex

Thursday, July 18, 2013

ONLY GOD FORGIVES (Frankreich/Thailand/USA/Schweden, 2013)




Erstmal großes Respekt an die Multiplexe dieses Landes, welche sich getraut haben, Nicolas Winding Refns Problemkind ins Programm zu nehmen ... meine Prophezeiung: nächste Woche nur noch ein Slot im Nachtprogramm, dann ganz raus. Sowas will in Deutschland keine Sau sehen, ganz zuletzt die 16jährigen, die sich nun dank Freigabe-Lotto der FSK für 8 EURO anderhalb Stunden Facebook-Abstinenz kaufen dürfen. Thank you very much.
ONLY GOD FORGIVES wirkt wie Kim-Ki Duk mit Splatter und ohne Meta-Zeigefinger. Bis auf die Knochen runterstilisierte Genre-Meditation, bei der eigentlich nur noch die Form zählt, jedes Bild penibel genug arrangiert um damit Museen zu füllen. Geile Ultrakunst ohne gemäßigte Mitte. Refn entwickelt einen schönen Rhythmus zwischen schockierenden Gewalt-Intermezzi und antiklimaktischem Kopfkino, der Plot ist griechische Tragödie all the way. Kann man als goldenes Artcore-Kalb in den Himmel heben oder prätentiöse Selbstbesamung schimpfen, beide Parteien haben (irgendwie) recht. Ganz groß übrigens Kristin Scott Thomas - fast ein bißchen schade, daß das Skript so wortkarg ausgefallen ist, und Madame Thomas so über das Gros der Laufzeit eigentlich nur über ihre aggressive Präsenz sprechen darf; die jedoch reicht aus, um damit Refn sein eigenes Werk streitig zu machen.

© Alex

Wednesday, July 10, 2013

SMUGGLER (Japan, 2011)




Hit or Miss-Regisseur Katsuhito Ishii hat es schon wieder getan: er wollte sich nicht helfen lassen und hat alles alleine gemacht: Drehbuch, Regie und Schnitt. Herausgekommen ist dabei, was Ishii am Besten kann: eine Hit and Miss-Comedy.
Ein Bullseye hat Ishii mit der vom unscheinbaren Teenie-Idol zur Diva gereiften Hikari Mitsushima geschossen, die als eiskalte Yakuza-Bitch ihrem Schauspiel-Repertoire eine weitere Facette hinzufügt. Auch für den spaßigen Auftakt hat er sein Timing nach der Atomuhr gestellt. Danach verlängert sich die Wartezeit auf gelungene Lacher exponentiell, und irgendwann werden die supercoolen Zeitlupen nur noch eingesetzt, um Gewaltexzesse möglichst cool aussehen zu lassen. Das kennt man von Guy Ritchie und diversen Tarantino-Epigonen; jetzt will Ishii mitspielen: SMUGGLER ist eine durch und durch amerikanische Gangster-Groteske, in der einmal mehr die Großen sich um das größte Kuchenstück kloppen und die Kleinen zwischen die Fronten geraten, und zusehen müßen, wie sie einigermaßen lebend aus dem Schlamassel herauskommen.
Mit schrägen Killer-Visagen und sadistischen Mafia-Clowns versucht uns Ishii bei Laune zu halten; das geht so lange gut, bis er auf seinem Manga-esquen Amok-Trip mal wieder ein Stop-Schild übersehen hat; Katsuhito Ishii weiß selten wann Schluß ist. Kein Gag ist zu blöd ("Guck mal, der Dicke ist gestolpert und voll mit dem Gesicht in den Teller"), kein Gewaltakt zu verstörend. Und wenn er dafür seinen Hauptdarsteller in einer gut halbstündigen Folter-Sequenz in eine bemitleidenswerte Opferrolle zwängen muß, von deren Folgen dieser sich bis zum Ende nicht erholt. Hat man sich bis dahin von der schicken visuellen Seite erfolgreich einlullen lassen und beständig nach Entschuldigungen gesucht, warum man den Film vielleicht doch irgendwie gut finden könnte, gehen einem spätestens hier die Argumente aus. HOSTEL war lustig genug ... da braucht es nicht noch den River Kwai-Marsch zum heiteren Fußnägel-Ziehen.

© Alex