Saturday, July 12, 2014

GRAND PIANO (Spanien, 2013)




Der gefeierte Pianist Tom Selznick (Elijah Wood) leidet unter Lampenfieber, mußte deshalb schon ein Konzert abbrechen als er am Flügel in Schockstarre verfiel. Jetzt, nach 5 Jahren Auszeit, will er zurück ins Rampenlicht. Kurz nach Beginn des Konzertes kontaktiert ihn ein Attentäter, der droht, ihn und seine Frau zu erschießen, sollte er auch nur eine falsche Note spielen. Zwischen Garderobe und Konzertsaal nimmt ein abstruses Katz-und-Mausspiel seinen Lauf: schafft es Selznick rechtzeitig den Plan des mysteriösen Anrufers aufzudecken und zu vereiteln, ohne sein Comeback zu gefährden?
Der wuchtige Orchester-Sound ist ein Geschenk für jede Dolby-Anlage, was bleibt, ist ein ungelenker B-Reißer, der seine haarsträubende Prämisse teuer verkauft und mehr Brian de Palma als Hitchcock nacheifert (gibt sogar eine Split Screen-Montage). Gute Leistung von Frodo, der glaubwürdige "Finger-Stunts" liefert, und sein Lampenfieber nachvollziehbar auf den Zuschauer überträgt. Der Film melkt sein singuläres Konzept zunächst recht effektiv, bis er dann im letzten Drittel sein wackelndes Storygerüst komplett nach Absurdistan verlegt, was empfindliche Spannungseinbrüche zur Folge hat, die cheesy Antiklimax hilft da nicht weiter. Und daß John Cusack dahintersteckt, hätte man lieber als Trumpf im Ärmel versteckt gehalten, so wär's ein netter "Hey"-Effekt geworden, anstatt sein Mitwirken schon in der Promo-Kampagne herauszuposaunen. Irgendwie dumm. Und irgendwie "so what".

© Alex

Friday, July 11, 2014

KIM NOVAK BADETE NIE IM SEE VON GENEZARETH (Schweden, 2005)




Wunderschön fotographiertes Coming of Age-Drama nach einer Buchvorlage von Håkan Nesser (wirkte am Drehbuch mit). Die Krimi-Komponente kommt relativ spät und tangiert die Hauphandlung auch nur. Die Regie begnügt sich nicht mit bloßem Herunterfilmen, sondern überrascht immer mal wieder mit kleinen imaginativen Spielereien, das 60er-Zeitgefühl wird gut eingefangen. Der Film erzählt vom Sommer und von Freundschaft, aber auch vom schleichenden Verlust der Unschuld; Katalysator hierfür ist die Aushilfslehrerin Ewa, die so schön ist wie Kim Novak und von der alle Jungs träumen. Ich habe STAND BY ME nie gesehen, aber KIM NOVAK BADETE NIE IM SEE VON GENEZARETH dürfte stimmungsmäßig in eine ähnliche Kerbe schlagen. Eventuell etwas leichtere Kost, da die Geschichte nicht allzuviele Facetten aufweist. Trotzdem merkt man, daß hier Könner am Werk waren, also kein One Trick-Pony.
Die deutsche DVD hat leider keinen schwedischen O-Ton, die Synchronisation ist recht ordentlich geraten. Für einige geschriebene Text-Stellen fehlten die Untertitel.

© Alex

Tuesday, July 8, 2014

FEUCHTGEBIETE (Deutschland, 2013)




Carla Juris mutige Performance ist für sich gesehen einen Blick wert, auch wenn der Film zunächst arg auf Provokation aus ist; die unbeschwerte, verspielte Machart steckt an, und wenn einem dann noch bewußt wird, daß FEUCHTGEBIETE eigentlich eine Geschichte erzählt, ist man bereits infiziert. Scheidungsdrama, Kindheitstrauma, Borderline-Persönlichkeit - ziemlich schreckliche Worte, von denen man sich nicht abschrecken lassen sollte: dramatisches hakt der Film geschickt nebenbei ab, ohne jemals seinen Unterhaltungsauftrag aus den Augen zu verlieren oder an Tempo einzubüßen. Audio-visuell ist FEUCHTGEBIETE eine Wucht, überrascht auch nach anderhalb Stunden mit ungesehenen Metaphern und pointierter, abwechslungsreicher Beschallung, die Kamera gleitet schwerelos und virtuos wie in einem Videoclip durch den Raum. Dialoge sind witzig (manchmal auch nachdenklich), und werden mit treffenden Bildern unterstützt.
Was den sexuellen Freigeist angeht, hat man sich einiges getraut, ich will nichts spoilern, nur soviel sei gesagt: das dicke WTF-Fragezeichen im Gesicht ist garantiert; bewahrt sich dabei stets eine Portion Charme und Leichtigkeit, wirkt nie so plump oder obszön wie eine US-Klamotte. Über ein BODY SNATCHERS-Zitat freut sich der Filmfan, und der olle Johann Strauss mußte natürlich auch wieder ran in einer Szene, die man so schnell nicht mehr aus dem Gedächtnis gelöscht bekommen wird (Pizza will never taste the same way again). Sexy, oder gar erotisch fand ich den Film zu keiner Sekunde, was, glaube ich, beabsichtigt war. Dafür ist FEUCHTGEBIETE zu atemlos inszeniert und spielt potentiell unzüchtiges Material frech auf den selbstverständlichsten Nenner runter.
Derselbe Inhalt, dieselbe message wie das geschriebene Wort, jedoch was Effizienz und Mittel angehen, überholt die Verfilmung das Buch von links. Ein bißchen sowas wie der deutsche VISITOR Q: schon bei Miike führte der Weg zur Heilung durch ein Bad in Muttermilch und Exkrementen.

© Alex

Saturday, July 5, 2014

BREAKING THE GIRLS (USA, 2013)




Hitchcock mit Lesben, von beidem nichts so richtig.
Da wollte jemand die Tradition der 90er-Skin Flicks wieder aufleben lassen (POISON IVY und Co.), dem Ansinnen steht jedoch die prüde Inszenierung im Wege: da wird mitten in der Nacht, wenn das Telefon klingelt und alles schläft, die Bettdecke fest vor die Brust gehalten, und mit welchen Kniffs der Blick auf sekundäre Geschlechtsmerkmale verdeckt wird, das hat was von AUSTIN POWERS, nur war's da wenigstens lustig. BREAKING THE GIRLS ist all Tease and no Tits: das Lesbo-Gefummel wurde dermaßen keusch umgesetzt, daß man sich in einem PG-13-Streifen wähnt, dafür gibt's aber zuviele "Fucks" auf der Tonspur, keine Ahnung wem man damit einen Gefallen tun wollte, dabei hatte Madeline Zima in CALIFORNICATION noch keine Scheu blank zu ziehen (und was da zum Vorschein kommt, kann sich durchaus sehen lassen). Kein Witz: der Trailer zeigt bereits alles, was der Film an Money Shots zu bieten hat.
Die STRANGERS ON A TRAIN-Prämisse liefert den Aufhänger, die Thriller-Handlung etabliert zum Glück ihre eigenen Twists and Turns, dumm ist das Skript mitnichten. Leider hat sich keiner getraut die Kartoffeln direkt in die Glut zu werfen, anstatt nur auf Sparflamme zu dünsten.
Nochmal CHLOE mit der Seyfried gucken, der hat's richtig gemacht.

© Alex

Friday, July 4, 2014

ASSAULT ON WALL STREET (Kanada, 2013)




This ain't Art: genrekonform facettenarm inszenierter Vigilante-Stumpfsinn, aber in der richtigen Verfassung gut wegguckbar.
Große Bilder tischt uns Boll nicht auf, immerhin handwerklich solides TV-State of the Art, von allen Beteiligten gut gespielt. Motivationen bleiben nachvollziehbar, mit klug eingesetztem Stock Footage und die Kapitalismus-Anklagepunkte sind auch durch die Bank weg valide und (wirken zumindest) ordentlich recherchiert. Im Herzen ist das ein Rape and Revenge-Film: ein Typ wird gefickt (vom System), schnappt sich eine Knarre und geht auf die Jagd. Und nach einiger Anlaufzeit bekommt man dann auch, was der Titel verspricht. Ganz ohne Gefangene. Der Rachefeldzug gegen den Kommerz hat ein paar kreative Setups und WTF-Momente zu bieten, mit ausreichend Reibungsfläche (der Protagonist unterscheidet nicht zwischen Haien und Makrelen), nur ganz am Schluß will Boll nicht ernst bleiben und schiebt einen als Pointe getarnten Fremdkörper nach, den er direkt aus dem Jane-PUNISHER geklaut hat. Da fällt dann das Kartenhaus wieder in sich zusammen.

© Alex